Brauner zur Aufarbeitung der Geschichte der NS-Euthanasie in Wien

Buchpräsentation im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Wien (OTS) - "Die geschichtliche Aufarbeitung der NS-Euthanasie
ist von großer Bedeutung, denn sie ist das Fundament, auf der ein öffentlicher Diskurs über dieses dunkle Kapitel der Wiener Medizingeschichte aufbauen kann", so Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Renate Brauner am Freitag im Rahmen der Buchpräsentation. Und dieser Diskurs sei wichtig, denn "nur wer sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, kann Antisemitismus, Rassismus und Rechtsradikalismus entschlossen entgegentreten." Mit historischen Tatsachen könne man jenen Menschen die Stirn bieten, die ebendiese verzerren wollen, so Brauner.

Vorgestellt wurde heute ein weiterer Beitrag zur lückenlosen Aufklärung und Vergangenheitsbewältigung: Der 3. Band zur Geschichte der NS-Euthanasie in Wien mit dem Titel "Vorreiter der Vernichtung? Eugenik, Rassenhygiene und Euthanasie in der österreichischen Diskussion vor 1938", herausgegeben von Univ. Prof. Dr. Heinz-Eberhard Gabriel und Hon. Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer. Ebenso bei der Präsentation des Buches anwesend war der Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV), Dr. Wilhelm Marhold, der über die Aufgabe des KAV im Zusammenhang mit der NS-Euthanasie berichtete.

Im Rahmen der Veranstaltung überreichte Brauner das vom Wiener Krankenanstaltenverbund mit 6.000,-- Euro dotierte Stipendium an Frau Mag.a Sophie Ledebur für ihre Arbeit zur Geschichte der NS-Euthanasie. Frau Mag.a Ledebur wird die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt "Am Steinhof" vor 1938 und damit die Rahmenbedingungen dieser späteren Ereignisse wissenschaftlich aufarbeiten.

Zum Inhalt des Buches

Nach den beiden Bänden "NS-Euthanasie in Wien" und "Von der Zwangssterilisierung zur Ermordung. Zur Geschichte der NS-Euthanasie in Wien II" umfasst nun der 3. Band die Vorträge des gleichnamigen wissenschaftlichen Symposiums, das der Wiener Krankenanstaltenverbund im Mai 2002 unter der Leitung der beiden Herausgeber veranstaltete. Die Beiträge beziehen sich zum ersten Mal in so umfassender Weise und abgestützt auf neue Forschungsergebnisse auf die Anthropologie jener Zeit, den Eugenik-Diskurs in verschiedenen politischen Lagern und Institutionen sowie Persönlichkeiten (Julius Tandler, Heinrich Reichel). Ein abschließender Beitrag verknüpft die historischen Erfahrungen unter dem Titel "Medizin und Gewissen" mit der aktuellen Diskussion der Biomedizin. Damit wird auch diese Bearbeitung des Themas wieder - wie in den Vorgängerbänden - in einen medizin-ethischen Zusammenhang gebracht.

Zu den Herausgebern

Die beiden Herausgeber Univ. Prof. Dr. Heinz-Eberhard Gabriel und Hon. Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer setzen sich seit Jahren mit der Aufarbeitung der Geschehnisse jener Zeit auseinander. Prof. Gabriel war lange Jahre Ärztlicher Direktor im SMZ Baumgartner Höhe, der einstigen Anstalt Steinhof, die zwischen 1940 und 1945 in mehrfacher Weise (T4-Aktion, Hungersterben, Kindersterben) am Tod von insgesamt rund 7.500 Menschen beteiligt war.

Hon. Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer leistete seine Beiträge zum Buch als langjähriger Wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und Honorarprofessor am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und ist einer der wichtigsten Promotoren der Beschäftigung mit dieser Thematik in Österreich.

Zahlreiche Aktivitäten zur Aufarbeitung und Bewusstseinsweckung

Zur Bewusstmachung und Aufklärung über den grauenvollen Umgang mit kranken und behinderten Menschen während des nationalsozialistischen Regimes startete der Wiener Krankenanstaltenverbund 1998 zahlreiche Gedenkaktivitäten. Im Jänner 1998 wurde erstmalig ein Symposium im SMZ Baumgartner Höhe -Otto-Wagner-Spital veranstaltet, das sich ausschließlich mit der Rolle der Psychiatrie in der NS-Medizin befasste. Gleichzeitig schrieb der KAV zur weiteren Erforschung der Rolle der Medizin während der NS-Zeit ein Stipendium aus. Es folgten zwei weitere Symposien und vier Stipendienausschreibungen sowie zahlreiche Veranstaltungsreihen und die Ausstellung "Der Krieg der Minderwertigen".

Auf dem Gelände der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt am Steinhof wurde eine Gedenk- und Forschungsstätte errichtet, die im Mai 2002 eröffnet wurde. Vor dem "Jugendstil-Theater" erinnert ein Mahnmal aus 772 Licht-Stelen an die ermordeten Kinder. Nachdem im Sommer 2001 das Wiener Landesgericht die sterblichen Überreste der Spiegelgrund-Opfer freigegeben hatte, fand im April 2002 die öffentliche Gedenkfeier und Bestattung am Wiener Zentralfriedhof statt. (Schluss) bw/hir

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