AK: Konsumenten brauchen mehr Schutz bei Gesundheitswerbung für Lebensmittel

Nährwertprofile und Zulassungsverfahren wesentlich - Dienstag Abstimmung im EU-Umweltausschuss

Wien (OTS) - Schokoriegel für wachsende Kinderknochen oder Hartwürste gegen Stress? Die AK fordert mehr Schutz für Konsumenten bei Lebensmittel-Gesundheitswerbung. "Gesundheitswerbung muss verlässlich sein und soll nicht zum Konsum von Sü-ßigkeiten, Limonaden oder fetten Snacks anregen", verlangt AK Ernährungsexper-tin Petra Lehner. Eine EU-weite Regelung muss daher Gesundheitswerbung für zu fette, süße und salzige Produkte verbieten und ein Zulassungsverfahren für ge-sundheitsbezogene Angaben beinhalten. Am kommenden Dienstag wird darüber im EU-Umweltausschuss abgestimmt.
Mitte Mai wird dann im gesamten EU-Parlament in zweiter Lesung abgestimmt werden. "Die Abgeordneten müssen im Sinne der Konsumenten stimmen", sagt Lehner, "und nicht wie in der ersten Lesung für die Werbewirtschaft." Die AK hat allen österreichischen EU-Abgeordneten negative Beispiele übermittelt und sie um Unterstützung gebeten. Bei der ersten Lesung im Frühjahr 2005 stimmte das EU-Parlament gegen jegliche Einschränkungen von Gesundheitswerbung und gegen ein Zulassungsverfahren, obwohl beides im Entwurf der Kommission stand. Die EU-Gesundheitsminister handelten einen gemeinsamen Standpunkt aus. Dieser enthält ein Zulassungsverfahren nur für neue An-gaben und Nährwertprofile, die eine Mindest-Ernährungsqualität für Produkte festlegen, für welche gesundheitsbezogen geworben werden darf. "Ein Kompromiss mit Tücken, der durch das Parlament nun noch weiter verwässert werden könnte", warnt Lehner.
Die AK Verbraucherschützer sind regelmäßig mit überzogener Gesundheitswerbung konfrontiert. So werben Wellnessdrinks mit "kräftigend", "entspannend" oder "reaktiviert den Körper", trotz 15 Würfelzucker pro Liter. Trinkt jemand täglich zusätzlich einen Liter davon, ergibt das ein Plus von etwa fünf Kilogramm Körpergewicht pro Jahr. Auf einem Schokoriegel prangert der Slogan "mit Kalzium und Traubenzucker", die häufigste Zutat ist aber gewöhnlicher Zucker. Ein Volksschüler müsste 18 Stück essen, um seinen Kalzi-umbedarf zu decken und würde gleichzeitig 45 Würfelzucker und 15 Esslöffel Fett auf-nehmen. "Schokolade oder Limonade als gesund zu vermarkten, ist im Lichte der stei-genden Übergewichtsproblematik fahrlässig", meint Lehner.

Die Ernährungsprobleme sind heute nicht Nährstoffmängel, sondern ein Übergenuss von Fett, Zucker und Salz. Laut WHO könnten 80 Prozent der Herzkreislauferkrankungen und ein Drittel aller Krebsfälle durch Änderungen im Ernährungs- und Bewegungsverhal-ten verhindert werden. In Österreich gelten rund ein Viertel der Erwachsenen und rund 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Oberstes Gebot muss hier also sein, Fettes und Süßes nicht auch noch durch Gesundheitswerbung viel attraktiver zu machen.

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