Was so nicht zu lesen war

ORF-Zentralbetriebsratsobmann Heinz Fiedler zu seinem Leserbrief im heutigen KURIER

Wien (OTS) - In der heutigen Ausgabe des KURIER findet sich ein Leserbrief von mir, den ich in diesem Wortlaut nicht verfasst habe. Entgegen der Zusage von CR Dr. Kotanko wurde mein Schreiben in wichtigen Passagen gekürzt und dadurch im Sinn teilweise verändert. Der Originalleserbrief hatte folgenden Wortlaut:

Die Jagdgesellschaft und ihre Rädelsführer

Unter dem Titel "Der ORF in der Zeitmaschine" war kürzlich im "Kurier" ein unfreundlicher Kommentar gegen den ORF im Allgemeinen und mich in meinen Funktionen als Zentralbetriebsratsobmann und Stiftungsrat des ORF zu lesen. Ginge es bloß um die Reputation des um Qualität bemühten "Kurier", ließe sich diese Entgleisung als bedauerlicher Betriebsunfall ignorieren, doch es ging und geht um die Reputation und um die Zukunft des ORF und seiner Mitarbeiter.

Erkennbar wird der Grundkonsens großer Print-Medienhäuser, den ORF krank zu reden und für feindliche Teil-Übernahmen sturmreif zu schießen. Niemand könne sicher sein, nach der Neuwahl der Geschäftsführung seinen derzeitigen Job zu haben, sorgt sich die Autorin und ortet das Problem in der Vertretung der Dienstnehmer im Stiftungsrat. Was in Unkenntnis vieler Beispiele in Aktiengesellschaften fälschlich als "Unikum" ausgegeben wird, ist in Wahrheit der Dorn im Fleisch all jener, die sich in freudiger Erwartung eines ORF-Häppchens schon die Servietten umbinden. Als Zentralbetriebsrat werde ich mich allen Versuchen der Filetierung oder gar Zerschlagung des Unternehmens energisch widersetzen und verfolge die Umtriebe der neuerdings wieder hochaktiven Rädelsführer mit großer Aufmerksamkeit. Mich alarmiert, wenn der Kaufmännische Direktor des ORF, Alexander Wrabetz, das ORF-Zentrum als baufällige Ruine beschreibt und damit indirekt der bürgermeisterfreundlichen Absiedlung in die Hände arbeitet.

Diese Absiedlung könnte der Kern des "Masterplans" zur Zerschlagung des ORF sein: ein durch Ausgliederungen amputierter ORF hätte nicht mehr die Kraft, sich den Teil-Privatisierungsträumen eines Gerhard Zeiler zu widersetzen. Da passt der ehemalige ORF-Generalintendant Gerhard Weis gut ins Gesamtbild, der sich für RTL in den Aufsichtsrat einer Wettspielgesellschaft entsenden ließ und auch den Wiener Bürgermeister Häupl berät. Wer solche "Freunde" hat, muss seine Feinde nicht mehr fürchten. Etwa die SPÖ, in deren aktuellem Wirtschafts - bzw. Medienkonzept der ORF als Aktiengesellschaft in die Staatsholding ÖIAG, neben Unternehmungen wie etwa Bundesforste, ÖBB oder Post eingegliedert werden soll. Vor diesem Hintergrund droht der Parteivorsitzende Gusenbauer im Falle eines Wahlsieges mit einem neuen ORF-Gesetz.

Abgesehen von der klagbaren Etikettierung "schwarzer Guerillero" wird mir im eingangs erwähnten Elaborat unterstellt, ich hätte der Generaldirektorin eine "prominente" Personalbesetzung abgedreht. Sollte der Fall des keineswegs prominenten Kollegen Opletal gemeint sein, hat die Autorin ihre eigene Zeitung nicht gelesen. Auch dort stand zu lesen, dass Kollege Opletal einen ihm angebotenen Korrespondentenvertrag für China ohne mein Zutun abgelehnt hat. Als örtlich zuständiger Betriebsrat für die Auslandsbüros war ich nie mit dieser Causa befasst.

Ähnlich abstrus ist auch die Fehlinformation, im ORF werde den Journalisten das Recht verwehrt, über ihre Chefredakteure abzustimmen. Das Gegenteil ist seit Jahrzehnten der Fall, das ORF-Redakteursstatut sieht diese Abstimmungen bindend vor und ist mindestens so effektiv wie jenes des "Kurier". Übrigens wurde meines Wissens nach bisher nur ein einziges Mal - Karl Amon im Hörfunk - ein Chefredakteur von der Redakteursversammlung abgelehnt. Werner Mück beispielsweise konnte sich über breite Zustimmung freuen! Man merkt die Absicht und ist verstimmt, mit meinem beharrlichen Widerstand darf weiterhin gerechnet werden.

Heinz Fiedler

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