"10 Minuten für meine Gesundheit" - eine Aktion der Apotheken in Wien und Niederösterreich

Wien (OTS) - Heute sterben in Wien und Niederösterreich wieder gezählte zwölf Personen an Fettkrankheit und deren Folgen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. So wie jeden Tag. Hierzulande ist Fettkrankheit die Todesursache Nummer eins. Mehr als die Hälfte aller Österreicher stirbt daran, und nur wenige wissen über dieses Risiko Bescheid. Hier besteht Handlungsbedarf: Am 20. März startet in den Wiener und Niederösterreichischen Apotheken eine neue Vorsorge-Aktion, bei der die Apotheker kostenlos die Gesundheitswerte der gesamten Bevölkerung messen.

Größte Vorsorge-Aktion in Europa

Wissenschaftliche Leitung: Univ. Prof. Dr. H. Sinzinger, Univ.
Doz. Dr. H. Kritz

Die Vorsorge-Aktion in den öffentlichen Apotheken Wiens und Niederösterreichs bietet etwa drei Millionen Menschen (39 Prozent der österreichischen Bevölkerung) jeder Altersgruppe die Möglichkeit einer kostenlosen Herz-Kreislauf-Vorsorge. "Apotheken sind besonders gut geeignet, um die Schwellenangst für Gesundheitsvorsorge zu überwinden und ermöglichen eine anonyme Kontrolle von wichtigen und unter Umständen lebensbedrohenden Risikofaktoren", so die wissenschaftlichen Begleiter der Vorsorge-Aktion, Univ.Prof. Dr. Helmut Sinzinger und Univ.Doz. Dr. Harald Kritz vom Österreichischen Lipidforum. Eine Apotheke erreicht täglich durchschnittlich 300 Personen und eignet sich deshalb hervorragend für breit angelegte Vorsorgeaktionen. "Wir erwarten, dass im Aktionszeitraum von 20. März bis 20. Mai 2006 circa 50.000 Personen die Messung der Gesundheitswerte in Anspruch nehmen werden", so Mag. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Landesgeschäftsstelle Wien. Damit ist die Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit" die größte Vorsorge-Aktion in Europa.

"Aktive Gesundheitsvorsorge ist mir ein besonderes Anliegen, denn dadurch können persönliche Gesundheitsrisiken frühzeitig erkannt und Krankheiten rechtzeitig vermieden werden. Ich bedanke mich daher bei den Apothekerinnen und Apothekern und hoffe, dass viele Wienerinnen und Wiener dieses Angebot auch nutzen werden", so Mag.a Renate Brauner, Gesundheits- und Sozialstadträtin der Stadt Wien.

10 Minuten für meine Gesundheit: Die Aktion im Detail

Jeder Wiener und Niederösterreicher kann ohne Anmeldung in einer Apotheke seines Vertrauens die Gesundheitswerte messen lassen. Die Messung ist für den Betroffenen kostenlos. Die Apotheker verzichten auf die Honorierung ihrer Zeit und Leistungen, die Wiener und die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse refundieren das verwendete Material. Gemessen werden Bauchumfang, Cholesterin, Blutdruck, Gewicht und Blutzucker. Die Bestimmung der fünf Parameter dauert nur 10 Minuten. Anschließend weiß der Betroffene, wie es um sein Herz-Kreislaufrisiko steht. Sollten ein oder mehrere Werte aus der Norm sein, wird der Besuch eines Arztes empfohlen.

Die Aktion wird vom Lipidforum Österreich, Herrn Univ.Prof. Dr. Helmut Sinzinger und Herrn Univ.Doz. Dr. Harald Kritz wissenschaftlich betreut und qualitätskontrolliert. Alle Apotheker wurden mit der Methodik vertraut gemacht, und arbeiten nach einem einheitlichen Design. Die Daten werden laufend vom Lipidforum ausgewertet und in einem Bericht zusammengefasst.

Wie krank sind die Wiener und Niederösterreicher?

Das Risiko an einer Herz-Kreislauf Erkrankung zu sterben ist in Wien um 25 Prozent höher als im Bundesschnitt. Auch innerhalb Wiens ist die Bedrohung durch Herz-Kreislauf Erkrankungen ungleich verteilt: In den so genannten "Arbeiterbezirken" (10, 11, 15, 20) ist die Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeitsrate deutlich höher als in den "Nobelbezirken" (1, 13, 19). "Viele Bevölkerungsgruppen sind nur über einen sehr niederschwelligen Zugang für Früherkennungsmaßnahmen zu gewinnen. Über das dichte Wiener Apothekennetz besteht eine gute Möglichkeit dazu" begründete der Sprecher der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), Mag. Jan Pazourek die Unterstützung der Aktion.

Mehr als 1,4 Mill. Menschen in Wien/NÖ sind fettleibig

Fettleibigkeit ist einfach zu messen: Hier ist der Bauchumfang das Maß aller Dinge. Ab einem Bauchumfang von 100 cm bei Männern und 90 cm bei Frauen erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um fünf Prozent pro cm. Wer einen Zentimeter Bauchumfang verliert, gewinnt statistisch gesehen ein zusätzliches Lebensjahr. In NÖ und Wien liegen etwa 1,4 Mill. Einwohner im Hochrisikobereich von Fettleibigkeit. Nur 30 Prozent sind sich ihres Risikos bewusst. Besonders gravierend ist die Bauchumfangzunahme bei Jugendlichen. Wir schätzen, dass inzwischen etwa 150.000 Kinder und Jugendliche in Wien und NÖ in einem Beobachtungs- bzw. Risikobereich liegen. Für diese Bevölkerungsgruppe gibt es neue, altersabhängige Richtwerte.

Mehr als 1,5 Millionen Wiener und Niederösterreicher leiden an zu hohem Cholesterin

Cholesterin wird in den Apotheken mit der vom Finger entnommenen Blutperle gemessen. Das Ergebnis ist sofort verfügbar. Die unerkannte Cholesterinerhöhung steigert das Herz-Kreislaufrisiko. Besonders gravierend ist die Kombination mit den anderen Risikofaktoren (Fettleibigkeit, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes). Rechtzeitige Nahrungsumstellung und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung können den Cholesterinspiegel senken und die Folgen verhindern.

60.000 unerkannte Diabetiker in Wien und Niederösterreich

Genaue Zahlen über die Zuckerkrankheit (Typ2 Diabetes Mellitus) liegen bis dato für Österreich nicht vor. Schätzungen sprechen von etwa 2-10 Prozent. In Wien und Niederösterreich sind 240.000 Personen gefährdet ohne etwas von ihren Risikowerten zu wissen. Zuckerkrankheit wird in der Regel zu spät entdeckt. Bei Entdeckung liegen in 90 Prozent bereits schwere Gefäßschäden vor. Durch rechtzeitige Erkennung und Behandlung kann das Erkrankungsrisiko auf die Hälfte reduziert werden. Wir erwarten bei unserer Aktion, dass wir pro 100 Teilnehmer zwei Diabetesfälle neu entdecken. Diese Messung wird ebenso anhand der Blutperle durchgeführt.

500.000 unerkannte Hypertoniker in Wien und Niederösterreich

500.000 Personen wissen nicht über ihren Bluthochdruck Bescheid. Weitere 500.000 Niederösterreicher/-innen und Wiener/-innen wissen zwar um ihre Krankheit, viele davon sind aber nicht zufriedenstellend eingestellt. Der Blutdruck muss regelmäßig gemessen werden. Wer nicht selber messen möchte, kann auch außerhalb des Aktionszeitraums in den Apotheken Blutdruck messen lassen. Es gibt für jede Altersgruppe die passenden Richtwerte.

Was wir mit der Aktion erreichen wollen

"Uns Apotheker liegt die Gesundheit der Wienerinnen und Wiener am Herzen", so Mag. Burggasser. Wer seine Gesundheitswerte kennt, kann sein persönliches Gesundheitsrisiko besser einschätzen und reagieren. Viele Menschen erkranken aus Unwissenheit. Dabei hätte ein anderer Lebensstil wie gesündere Ernährung und regelmäßig mehr Bewegung gar nicht zur Erkrankung geführt. Hier wollen wir aufklären. Denn durch Früherkennung können viele schwere Erkrankungen vermieden werden. "Jährlich sterben in Wien und Niederösterreich 13.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jedes einzelne gewonnen Menschenleben ist für uns ein voller Erfolg", so Burggasser weiter. "Ich gehe davon aus, dass nur bei einem Fünftel der Wiener und Niederösterreicher die Werte im Idealbereich liegen. Gilt das, was wir aus anderen Studien wissen, erwarten wir, dass 30.000 (von 50.000) Personen auf Grund ihrer Gesundheitswerte ärztlich behandelt werden müssen", so Kritz.

Herz-Kreislauferkrankungen sind teuer

Auch die finanziellen Auswirkungen von Herz-Kreislauferkrankungen für das gesamte Gesundheitssystem sind enorm. 4,5 Millionen Spitalstage gehen österreichweit auf das Konto von Herz-Kreislauferkrankungen, was sich im Gesundheitsbudget mit einer satten Milliarde Euro zu Buche schlägt.

In Wien und Niederösterreich werden jährlich 150.000 Menschen wegen Herz-Kreislauferkrankungen stationär aufgenommen. Das sind 1,7 Millionen Spitalstage. Zusätzlich sind die Wiener und Niederösterreicher 550.000 Tage im Jahr wegen Herz-Kreislauferkrankungen im Krankenstand.

Die Wiener Gebietskrankenkasse ist einer der Hauptsponsoren der Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit". "Die Kosten für dieses Früherkennungsprogramm sind im Vergleich zu den Behandlungskosten gering", so Pazourek.

Dazu einige Beispiele:

  • Jeden Tag werden in Wien rund 13.000 Packungen Herz-Kreislauf-Medikamente und etwa 2.000 Packungen Antidiabetika verschrieben.
  • Die Kasse wendet alleine dafür jährlich 62 Millionen Euro auf. Tendenz steigend.

Pazourek: "Die WGKK gibt täglich für Herz-Kreislauf- und Diabetes-Medikamente rund 217.000 Euro aus. Das ist etwa fünf mal so viel wie unsere Kosten für die gesamte Aktion. Wenn es gelingt, durch diese Initiative Risken zu erkennen und Folgeschäden zu vermeiden, so ist sie sowohl aus menschlicher als auch aus ökonomischer Sicht ihr Geld wert."

Die Vorsorgeaktion "10 Minuten für meine Gesundheit" wird unter der Schirmherrschaft des Gesundheitsministeriums und der Stadt Wien von der Wiener und der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse, dem ORF, der Pharmig und den Pharmaunternehmen Boso, Bayer, Pfizer und Roche unterstützt.

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