Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Die Dinos von gestern

Wien (OTS) - Der Bürgermeister von Pasching mag einem wegen seines Lebensstils unsympathisch sein. Auch mag er seinen zweiten Bezug -all seinen Argumenten zum Trotz - zu Unrecht beziehen. Dennoch ist seine plötzliche Festnahme wegen "Tatbegehungsgefahr" völlig unverständlich. Und ein prominenter Beweis dafür, dass man in Österreich allzu schnell eingesperrt wird. Was vermutlich weniger Prominenten noch viel schneller passiert.

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Man kann verstehen, dass die Palästinenser zutiefst frustriert sind über die vielen Demütigungen durch Israel. Ihre Reaktion darauf ist aber selbstzerstörerisch. Weil sie kaum noch effektive Terroraktionen gegen Israel zuwege bringen (dieses hat sich mit Zäunen und Mauern relativ effizient abgesichert), attackieren die Palästinenser irgendwelche europäisch aussehende Menschen. Nicht begreifend, dass sie damit genau jene angreifen, die noch bereit sind, ihnen zu helfen.

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Deutsche, österreichische und auch Schweizer Gewerkschaften haben vieles gemeinsam: etwa Mitgliederschwund und Finanznöte, die zu Fusionen und Personalabbau zwingen. Mancherorts wird noch verzweifelt versucht, durch Streiks und Radikalisierung wieder Boden unter den Füßen zu bekommen. Das gelingt aber nur noch im öffentlichen und halböffentlichen Bereich, wo die Arbeitgeber noch erpressbar scheinen. Praktisch die gesamte Industrie kann hingegen heute Gegendruck auf die Gewerkschaft ausüben - und ins Ausland übersiedeln, oder das zumindest androhen.
Aber auch im öffentlichen Sektor verlieren die Gewerkschaften an Hebelkraft, wie sich bei den peinlich geplatzten Drohungen der hiesigen Postgewerkschafter gezeigt hat. Die staatlichen Arbeitgeber haben in Zeiten leerer Kassen gelernt, dass eine privatisierte Müllabfuhr oder Konkurrenz im Nahverkehr billiger kommen.
Und jeder Streik beschleunigt nur den Trend in diese Richtung. Die Gewerkschaften sind dabei, zu Dinosauriern des 20. Jahrhunderts zu werden.

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