"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Hier erlaubt, dort verboten" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 16.03.2006

Wien (OTS) - Betrunkene Jugendliche, die zigarettenrauchend spätnachts vor Lokalen herumlungern: Das ist zum Glück immer noch die seltene Ausnahme. Tatsache ist aber auch, dass sich die Fälle häufen; nicht Wenige greifen bereits mit zwölf oder 13 zur Flasche.
Der Ruf nach besserem Jugendschutz ist daher verständlich. Wenn aber schon die derzeit geltenden Gesetze zu 90 Prozent nicht eingehalten werden, helfen weder Verschärfungen noch strengere Strafen.
Nicht schaden kann eine Vereinheitlichung: Vor Alkohol und Zigaretten werden Jugendliche unter 16 zwar theoretisch in ganz Österreich geschützt. Warum sich aber in Kärnten schon Vierzehnjährige zeitlich unbegrenzt "bei öffentlichen Veranstaltungen oder in Lokalen" aufhalten dürfen, während in Vorarlberg selbst knapp 18-Jährige spätestens um zwei Uhr früh daheim sein müssen, ist sachlich nicht zu begründen.
Umgekehrt dürfen in der Steiermark Jugendliche bis 15 "nur in Begleitung einer Aufsichtsperson" in Jugendherbergen übernachten, in Vorarlberg mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten aber schon ab zehn.
Hier auf die Beibehaltung von Länderkompetenzen zu pochen, ist falsch verstandener Föderalismus, der nur vom eigentlichen Thema ablenkt:
Wir können nicht alle Probleme von und mit Jugendlichen auf Gesetzgeber, Schule oder Polizei abwälzen. Das hat bisher nicht geklappt und wird auch künftig nicht funktionieren. Wirksamer Schutz kann nur im Elternhaus beginnen.

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