WirtschaftsBlatt Kommentar vom 14.3.2006: Die FPÖ bellt, die Karawane zieht weiter - von Arne Johannsen

Wien (OTS) - Zuschauer von TV-Sitcoms wissen es: Die komischsten Situationen entstehen, wenn zwei Welten aufeinander stossen, die wenig bis gar nichts miteinander gemeinsam haben. Doch um das zu erleben, muss man nicht mal mehr fernsehen. Die Realität ist besser. Während FPÖ-Chef Heinz Christian Strache am letzten Tag noch einmal für sein Anti-Türkei-Volksbegehren trommelt, steigt die OMV mit einem Drittel ausgerechnet bei der türkischen Tankstellen-Kette Petrol Ofisi ein - so originell kann nur das Leben sein.
Der OMV-Deal ist in mehrerer Hinsicht bedeutend. Erstens zeigt er, dass sich starke Unternehmen durch politisches Geplänkel nicht beeinflussen lassen. EU-Mitgliedschaft der Türkei ja oder nein, privilegierte Partnerschaft ja oder nein - während sich die politischen Akteure in der Türkei-Frage im Kreis drehen, fährt die OMV kurzerhand auf der Überholspur an ihnen vorbei. So konsequent kann Wirtschaft sein.
Das besonders Schöne daran: Während die Straches noch nach Leibeskräften gegen alles Fremde polemisieren, nimmt die OMV ihre Aktionäre kurzerhand mit auf eine spannende Reise in einen neuen, gewaltigen Markt. Das OMV-Engagement hat deutlich bessere Erfolgsaussichten als das FPÖ-Volksbegehren. Die Lehre daraus:
Geschäfte zu machen ist besser als dumpfe Ängste zu schüren - vor allem lukrativer. So gescheit kann die Wirklichkeit sein.
Drittens zeigt der Deal, dass die abflauende Ost-Fantasie nicht zwangsläufig das Ende der österreichischen Wachstumsaussichten bedeutet.
Die heimischen Unternehmen haben bisher einen grossen Bogen um die Türkei gemacht und damit viele Chancen ausgelassen. Das hat weniger mit Ignoranz als vielmehr mit knappen Ressourcen zu tun: Auch österreichische Konzerne haben nur begrenzte Kapazitäten, und diese wurden bisher weitgehend von Osteuropa aufgesogen.
Die OMV hat mit ihrem Türkei-Eintritt für die Österreicher eine Tür in einen bisher weitgehend unbearbeiteten Markt aufgestossen. Das ist vor allem für die Börse ein wichtiges Signal. Denn dort tauchten zuletzt schon Zweifel an einer Fortsetzung der Wiener Börsestory auf. Diese Erfolgsgeschichte bekommt jetzt durch die Ausdehnung auf den Balkan neue Nahrung.
Der Mut von Unternehmen treibt die Kurse - manchmal kann das Leben auch gerecht sein.

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