"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Flieg‘ nicht zu hoch" (Von ANITA HEUBACHER)

Ausgabe vom 13. März 2006

Innsbruck (OTS) - Am Parteitag sind die Delegierten der
Gradmesser. Auf den ersten Blick ist die Euphorie der SPÖ daher verständlich: Es herrschte großer Andrang, die Genossen brauchten sogar extra Stühle. Man gibt sich siegessicher. Bei den Zielen schießt man allerdings über das Ziel hinaus.

Eine rote Bürgermeisterin in Innsbruck ist eher unwahrscheinlich. Dafür müsste die bürgerliche Mehrheit zerbröseln. Die Liste der derzeitigen Stadtchefin Hilde Zach ist an Mandaten drei Mal so stark wie die rote. Und dass die bürgerlichen Wähler einen fliegenden Wechsel zur SPÖ machen, ist wenig realistisch.

Als Wahlziel Nr. 2 wurde ein roter Landeshauptmann genannt. Das hält die Bundesparteispitze für möglich, die Landesspitze gibt sich da schon zurückhaltender. Die SPÖ hat in Tirol fast genau halb so viele Stimmen wie die ÖVP. Ein roter Landeshauptmann liegt daher in weiter Ferne. Deshalb formulierte man schnell noch ein weiteres rotes Ziel, die Absolute der VP in Tirol zu brechen. Mit diesem Ansinnen war die SPÖ schon bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2003 angetreten und gescheitert.

Und schließlich die Bundesebene. Alfred Gusenbauer soll Kanzler werden. Allerdings hinkt der Spitzenkandidat seiner Partei noch weit hinterher. Während die Roten in den Umfragen auf Platz 1 liegen, hat Gusenbauer Schüssel bei der Kanzlerfrage noch immer nicht eingeholt.

Auch da sind die Delegierten auf einem Parteitag ein verlässlicher Indikator. Mit seiner Rede hatte der Wiener Bürgermeister Michael Häupl die Lacher und die Herzen der Delegierten auf seiner Seite. Standing Ovations am Schluss. Dabei hatte der eigentliche Star des Tages noch gar nicht das Rednerpult erobert: Bei Alfred Gusenbauer applaudierten die Delegierten auch im Stehen. Aber weit weniger frenetisch, mehr aus Anstand, hatte man den Eindruck.

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