Gusenbauer: Bruno-Kreisky-Preis für Habermas - "den führenden Theoretiker der sozialen Demokratie in der Welt"

Habermas für ein starkes Europa

Wien (OTS) - "Wir freuen uns und es ist uns eine große Ehre, dass wir heute Jürgen Habermas den Bruno-Kreisky-Preis für sein Gesamtwerk überreichen dürfen. Er ist, wie es sein intellektueller Kontrahent Richard Rorty ausgedrückt hat, der führende Theoretiker der sozialen Demokratie in der Welt", so SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer am Donnerstag in einer Pressekonferenz anlässlich der Überreichung des Bruno-Kreisky-Preises für Jürgen Habermas. Für Habermas sei sein politisches Engagement nicht getrennt von seiner wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu sehen. "Es ist integraler Bestandteil", sagte Hannes Swoboda, SPÖ-EU-Abgeordneter und Vorsitzender der Jury. Habermas selbst zeigte sich über den Preis erfreut und forderte: "Wir brauchen eine Willensbildung auf der Straße der Mitgliedsstaaten, welches Europa wir denn wollen." ****

Seit 1993 werde nun der Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch verliehen. "In den letzten Jahren gab es aber kaum eine Entscheidung, die die Jury so rasch und klar gefällt hat, wie die heurige", so Gusenbauer. Dies habe mit der Rolle zu tun, die der Preisträger seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit einnehme. "Er gehört zur raren Spezies der öffentlichen Intellektuellen, die sich in den öffentlichen Diskurs einbringen, ohne ihre wissenschaftlichen Standards außer acht zu lassen", betonte Gusenbauer Habermas' Rolle vom Historikerstreit bis zur Diskussion über ein Europa im Dienste der BürgerInnen.

So habe Habermas schon im Mai 2003 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine europäische Öffentlichkeit, losgelöst von nationalen Diskussionen, gefordert. "Europa mangelt es nach wie vor an dieser europäischen Öffentlichkeit", betonte Gusenbauer. Es sei aber unklar, wie man ein soziales Europa mit anderen Schwerpunkten schaffen könne, wenn es diese Öffentlichkeit nicht gäbe. "Vor diesem Hintergrund sind wir Habermas dankbar, dass er sich immer wieder mit diesen Fragen auseinandersetzt", so Gusenbauer, der es als hohe Auszeichnung sah, dass Habermas auch von seinen intellektuellen Kontrahenten äußerst geschätzt werde.

Swoboda hob Habermas' Bekenntnis zum Sozial- und Wohlfahrtsstaat hervor, dessen intellektuelle und emotionale Begeisterung für Europa sowie seine Überlegungen zum Brennpunkt zwischen Moderne, Aufklärung und Religion. "Im Ringen um den Wohlfahrtsstaat ist es notwendig, dass wir auch alle Probleme erkennen, wenn wir den Kampf um das Modell des Wohlfahrtsstaates gewinnen wollen", sagte Swoboda. "Für Habermas ist sein politisches Engagement nicht getrennt von seiner wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu sehen. Es ist integraler Bestandteil davon", unterstrich der Vorsitzende der Jury.

Habermas selbst freute sich über den Preis - "manchmal ist es auch wichtig, für seine wissenschaftlichen Tätigkeiten gelobt zu werden" -und setzte sich für ein starkes Europa und eine gemeinsame europäische Perspektive ein. "Wir brauchen eine Willensbildung auf der Strasse der Mitgliedsstaaten, welches Europa wir denn wollen", so Habermas. Im Moment könne man sich nicht einmal im Rat dazu durchringen, wie Europa denn aussehen solle. Diese "Nicht-Entscheidung" sei aber auch eine deutliche Entscheidung. Die Folge sei eine permanente Erweiterung einer Freihandelszone ohne entsprechende innere Strukturen. "Ich glaube, dass es in Europa und bei den europäischen Bürgern eine schlummernde Mehrheit für ein richtig verstandenes Europa gibt", zeigte sich Habermas optimistisch. (Schluss) js

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