DER STANDARD-KOMMENTAR "Aber so etwas von gemein" von Samo Kobenter

Ausgabe vom 10.3.2006

Wien (OTS) - Die Welt kann oft wirklich böse, das Leben ungerecht und die Politik ein Plage sein: So ungefähr hörte sich das Klagelied an, das Helene Partik-Pablé, Detlev Neudeck und Max Hofmann bei der Bekanntgabe ihres Austrittes aus der FPÖ anstimmten. Unmenschlich sei der Druck gewesen, den die FPÖ ausgeübt hätte, um ihnen das Bekenntnis abzupressen, auch wirklich Parteimitglieder zu sein und damit die Förderung für ihre Parteiakademie zu lukrieren. Diesen letzten demütigenden Liebesdienst hätten die drei noch erbringen müssen, um dann endgültig einen Schlusspunkt zu setzen.

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer skurrilen Entwicklung, die erst nach der nächsten Wahl wirklich beendet sein wird - wenn der Wähler BZÖ und FPÖ mit jeweils dem Mandat ausstattet, das ihrer tatsächlichen Stärke entspricht. Bis dahin ermöglicht es die Geschäftsordnung, dass sich sowohl die deklarierten Orangen als auch die letzten beiden blauen Mohikaner sowie vier vorgeblich Unabhängige unter einem gemeinsamen Dach im Parlamentsklub balgen. Da kann es schon passieren, dass man vom guten Willen - oder zumindest der Unterschrift - von Leuten abhängig wird, mit denen einen eigentlich nichts als ehrlich empfundene Abneigung verbindet. Dass diese Situation unangenehm ist, kann man ja noch nachvollziehen.

Nicht nachvollziehbar dagegen ist das Gejammer der drei Abtrünnigen, wie grob sie von der FPÖ behandelt wurden. Jahrelang haben sie selbst kräftig die Verrohung der Sitten mitbefördert, die von der FPÖ ganz bewusst in die politische Auseinandersetzung getragen wurde. Sich jetzt darüber zu beschweren, wo sie selbst etwas davon zu kosten bekommen, ist zumindest wehleidig. Wenn das alles nicht mehr zu ertragen ist, könnten sie ja auch ihre Mandate zurücklegen.

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