piblectures_vol2: "Frederic Morton - ein Amerikaner aus Wien - Rückkehr in Büchern"

Starautor Morton über Freud, das Fin de Siècle und den Antisemitismus in Wien im Gespräch mit Peter Huemer

Wien (OTS) - Das Pädagogische Institut des Bundes in Wien lud am
8. März 2006 im Rahmen der piblectures zu einem Event der ganz besonderen Art: Starautor Frederic Morton, der am Vortag sein neuestes Buch "Durch die Welt nach Hause - mein Leben zwischen Wien und New York" im Wiener Rathaus präsentiert hatte, las anlässlich des 150. Geburtstags von Sigmund Freud Passagen aus seinem Buch "Wetterleuchten- Wien 1913/1914". Im Mittelpunkt der Lesung stand der Konflikt zwischen Freud und Jung.

In der Lesung und im Gespräch mit Peter Huemer wurde den zahlreichen Gästen, unter ihnen Frau Dr. Häupl-Seitz, Gerhard Bronner und Miguel Herz- Kestranek, ein Streifzug durch die Psychoanalyse und den aufkeimenden Antisemitismus im Wien der Jahrhundertwende geboten.

Mit Freud habe sich Morton erst relativ spät in Amerika, "the most nervous country in the world" , beschäftigt. Dort habe er sich erstmals mit Literatur auseinandergesetzt und mit dem Schreiben begonnen.

"Freud war einer der ersten großen Österreicher, die 1938 das Land verlassen mussten, und einer der großen Aufklärer des 20. Jahrhunderts, der viele Fragen ausgesprochen hat, die andere nicht einmal andenken würden. Freud hätte sich sicherlich die Frage gestellt, warum gerade in Österreich ein derartiges Obrigkeitsdenken vorherrschte und warum gerade in Wien diese Orgie der Niedrigkeiten stattgefunden hat", betonte Dr. Gerhard Schmid, Direktor des Pädagogischen Instituts des Bundes in Wien.

Das Pädagogische Institut sei als Bildungsinstitution gefordert, sich mit zeitgeschichtlichen Themen auseinanderzusetzen und in einer Gesellschaft des Vergessens und Verdrängens Bausteine einer couragierten Zivilgesellschaft zu legen. Der "Herr Karl" sei leider kein Einzelfall gewesen, sondern die Darstellung einer provinzialistischen Geisteshaltung und diese gelte es durch Veranstaltungen wie diese aufzubrechen.

Nach Wien sei er zunächst literarisch, dann erst physisch zurückgekehrt, als er 1951 als Journalist in seine Heimatstadt kam und ein anderes, intellektuelles Wien kennen lernte.

Zurückkommen sei für ihn allerdings auch heute noch schwierig, da er, der einfache Bäckersohn aus Hernals, die negativen Erfahrungen mit dem Antisemitismus nicht abschütteln könne.

Dennoch bedeute ihm Wien immer noch sehr viel, meinte der Autor lächelnd, als ihm als Gastgeschenk ein Buch über Hernals und eine Torte vom Demel überreicht wurden.

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