"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Es fehlt noch weit" (Von ANITA HEUBACHER)

Ausgabe vom 9. März 2006

Innsbruck (OTS) - Rund um den Welt-Frauentag mehren sich die
Blicke nach Skandinavien. Dem vermeintlichen Schlaraffenland für Frauen. In Skandinavien gehen sogar Minister in Karenz. Der Anteil der normalsterblichen Männer, die eine Babypause einlegen, liegt bei 20 Prozent. In Österreich bei 2,58 Prozent. Im Unterschied zu Österreich macht Schweden keine Familien-, sondern eine Gleichbehandlungspolitik.

Woran mangelt es in Österreich? Hierzulande müssen sich Frauen, die Karriere machen wollen, offenbar gegen Kinder entscheiden. Nur jede zehnte Tirolerin mit einem Spitzenjob hat ein Kind. Kind oder kein Kind wirkt sich auf das Gehaltskonto aus. 50-jährige Frauen mit Kind verdienen um ein Drittel weniger als Gleichaltrige ohne Kind. Eckdaten, die die Frage nach Nachwuchs zur Frage seines persönlichen Lebensziels machen.

Dass das so ist, liegt nicht nur an den fehlenden Kinderbetreuungseinrichtungen. Auch die Wirtschaft hält sich bei der Frauenförderung zurück. Flexible Arbeitszeiten oder eine Kinderbetreuung im Betrieb sind für die meisten Unternehmen noch Fremdwörter. Dazu kommt, dass die Mehrheit der Betriebe bei der Fortbildung lieber in ihre Mitarbeiter als in ihre Mitarbeiterinnen investieren. Damit beginnt ein weiterer Teufelskreis: Frauen verdienen immer noch um ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen für denselben Job einsacken. Die Frage, wer in Karenz geht, die Mutter oder der Vater, ist mit dem Blick auf das Gehaltskonto rasch geklärt.

Sind Frauen in Karenz, lauern die nächsten Hürden: Es gibt eine Zuverdienstgrenze, Umschulungen werden vom AMS nicht gefördert. Die meisten Frauen kommen aufgrund all dieser Unwegsamkeiten als Teilzeitkraft retour. Mit dem Erfolg, dass Teilzeitjobs weiblich werden, die Macht, sprich die Topposition, aber männlich bleibt.

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