Erblicher Dickdarmkrebs: Gezielter Einsatz der Coloskopie rettet Leben & spart Kosten

Wien (OTS) - "Zusätzliche Coloskopien! Und das für alle Angehörige!", so lautet der klare aber undifferenzierte Rat für Familien in denen erblicher Dickdarmkrebs vorkommt. Die molekulare Krebs-Diagnostik könnte hier sehr wohl differenzieren und die eigentlich betroffenen Personen identifizieren. Die Anzahl an zusätzlichen Coloskopien könnte damit auf eine kleinere Gruppe beschränkt werden. Die zentrale Forderung engagierter Onkologinnen und Onkologen am AKH Wien lautet daher: Gemeinsam mit der Coloskopie sollte die molekulare Krebsdiagnostik für den erblichen Dickdarmkrebs in den Leistungskatalog der Krankenkassen übernommen werden.

Dazu Prof. Judith Karner-Hanusch, AKH Wien, Klinik für Chirurgie, Leiterin der Ambulanz für erbliche colorektale Tumorerkrankungen und Sprecherin der Gruppe: "Die in der Regelvorsorge vorgesehene Coloskopie erfolgt erst ab dem 50. Lebensjahr. Damit setzt diese für jährlich 3.000 Personen in Österreich zu spät an. Diese sind die direkten Verwandten der ca. 500 Patienten, die jährlich an erblichen Dickdarmkrebs erkranken. Derzeit verordnen wir und andere Onkologen aber allen direkten Verwandten eine jährliche Coloskopie spätestens ab dem 20. Lebensjahr. Denn so kann die erbliche Form des Dickdarmkrebs ggf. in einem frühen Stadium diagnostiziert und geheilt werden."

Der Leistungskatalog sieht aber nicht vor, dass jene direkten Verwandten identifiziert werden, die tatsächlich die krebsverursachende Mutation geerbt haben. So werden derzeit noch allen Angehörigen betroffener Familien zusätzliche Coloskopien empfohlen, die unnötige Ängste bei nicht betroffenen Familienmitgliedern und enorme zusätzliche Kosten für das Gesundheitssystem verursachen.

Durch das gezielte Identifizieren der tatsächlichen Hochrisiko-Patienten, die ein mutiertes Gen besitzen, vermeidet die molekulare Krebs-Diagnostik Ängste und senkt Kosten. Dazu Prof. Michael Krainer, AKH Wien, Leiter der Genberatung an der Universitätsklinik für Innere Medizin I, weiter: "Ob ein Individuum tatsächlich die Krebs-Mutation besitzt oder nicht lässt sich bei 45% der Personen durch molekulare Diagnose feststellen. Liegt diese Mutation nicht vor, dann reicht die normale Regelvorsorge ab dem 50. Lebensjahr. Die molekulare Krebsdiagnostik reduziert also die Anzahl notwendiger Coloskopien und damit auch die Gesundheitskosten. So raten wir, dass diese moderne Technologie in den regulären Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wird."

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