"Kleine Zeitung" Kommentar: "Plädoyer für Sanktionen gegen den iranischen Apokalyptiker" (Von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 09.03.2006

Graz (OTS) - Wäre Offenheit der wichtigste Parameter einer guten Politik, zählte Mahmoud Ahmadinejad zweifelsohne zu den besten Politikern auf der internationalen Bühne. Denn der iranische Staatspräsident sagt seine Meinung ganz undiplomatisch gerade heraus.

Gestern tat er unmissverständlich kund, was er von den Vermittlungsversuchen der EU im Atom-Konflikt hält: Nichts, rein gar nichts! "Sie versammeln sich zu dritt, dann zu fünft, danach zu fünfzehnt - aber das wird nichts ändern", höhnte Ahmadinejad. "Der Iran wird nicht nachgeben und keinen Kompromiss eingehen!"

Wäre die Situation nicht so ernst, müsste man dem iranischen Präsidenten für seine Offenheit dankbar sein. Denn vielleicht besinnt sich die EU angesichts der provokanten Sturheit der iranischen Führung auf das naheliegendste Problem: Was passiert denn, wenn all die Mahnungen, Appelle und Drohungen tatsächlich überhaupt nicht fruchten und wenn der UNO-Sicherheitsrat - was zu erwarten ist -keine klare Resolution gegen Teheran zu Stande bringt?

Der Iran wird von einem Apokalyptiker regiert. Ahmadinejad steht einer Sekte nahe, die an die Wiederkehr eines im achten Jahrhundert verschwundenen Imams glaubt, eines "Messias", der die Welt erlösen wird - allerdings erst, nachdem diese im totalen Chaos versunken ist.

Welche Wirkung Massenvernichtungswaffen in der Hand dieses Mannes haben könnten, der mit frömmlerischen Halluzinationen und psychopathischen Reden aufputscht, kann man sich vorstellen.

Während die EU einmal mehr in Ratlosigkeit versinkt, drohen die Amerikaner unverblümt mit einem Militärschlag. Doch der wäre das Letzte, das die Welt jetzt brauchen könnte. Denn auch, wenn die Mehrheit der Iraner dem Mullah-Regime ablehnend gegenübersteht, ist es Mahmoud Ahmadinejad gelungen, das Atomprogramm zu einem nationalen Anliegen, zu einer Quelle des Patriotismus hochzustilisieren. Jeder Angriff auf das Land würde ihn daher nur stärken.

Konkrete Sanktionen gehören her! Nicht gegen den Iran, nicht gegen das iranische Volk, sondern gegen Ahmadinejad und seinesgleichen, die den Holocaust lächerlich machen, zur Vernichtung Israels aufrufen und in der Atomfrage keinen Millimeter nachgeben.

Sie müssen international geächtet und isoliert werden - auch auf die Gefahr hin, dass die Mullahs dann die Erdöl-Keule schwingen und dass der iranische Exportmarkt für die westliche Wirtschaft - vorerst einmal - verloren geht. ****

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