Dohnal: "Förderpreise sind Symbol gegen vorhandenes strukturelles Unrecht"

Dissertantinnen und Diplomandinnen mit "Johanna-Dohnal-Förderpreis" ausgezeichnet

Wien (SK) - "Die heute verliehenen Förderpreise können strukturelle Mängel nicht aufheben, aber ich verstehe sie als Symbol gegen vorhandenes strukturelles Unrecht", unterstrich Johanna Dohnal, Frauenministerin a. D., am Mittwoch bei der Verleihung des diesjährigen "Johanna-Dohnal-Förderpreises" im Parlament für Dissertantinnen und Diplomandinnen, die ein technisches und/oder ein feministisches Studium absolvieren. Die Förderpreise seien eine Anerkennung und finanzielle Unterstützung von jungen Frauen, die mit ihren Projekten und wissenschaftlichen Arbeiten einen Beitrag zu mehr Geschlechterdemokratie ermöglichen, so Dohnal. Die Begrüßung erfolgte durch SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende und Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die Laudatio hielt Univ.-Prof. Gabriella Hauch, zum Thema "Frauen in der Wissenschaft und Förderung von Wissenschaften" sprach die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, Johanna Rachinger. ****

"Ich komme aus einer Generation, in deren Jugend es noch selbstverständlich war, die Ausbildung von Mädchen zu vernachlässigen - im Hinblick auf ihre künftige Rolle als Ehefrau, Mutter und Männerversorgerin", betonte Dohnal. Sie, Dohnal, komme aber auch aus einer sozialen Schicht, in der es unmöglich war, Schulgeld zu bezahlen, geschweige denn jahrelang auf ein eigenes Einkommen verzichten zu können. "Die Qualität von Bildung und Ausbildung, die freie Wahlmöglichkeit und der freie Schulbesuch und Zugang zu den Universitäten für alle war mir immer ein wichtiges politisches Anliegen", so die ehemalige Frauenministerin.

Dohnal zeigte sich überzeugt, dass die bildungspolitischen Reformen und die die diesem Bereich getätigten infrastrukturellen Maßnahmen der 1970er und 1980er Jahre für zwei Frauengenerationen Barrieren abgebaut, Steine aus dem Weg geräumt und damit mehr Chancengleichheit ermöglicht haben. "Nicht nur, aber auch die Bildungspolitik der letzten Jahre lässt nun wieder eine ganze Generation im Stich", kritisierte Dohnal und verwies auf die explodierenden Schulkosten und sinkenden Ausgaben für Schülerbeihilfen, die Einführung von Studiengebühren und die Zugangsbeschränkungen und skandalösen Rahmenbedingungen für die Studierenden: "Weder wurden nach wie vor vorhanden gewesene Barrieren abgebaut, ganz im Gegenteil. Neue Hürden sind aufgestellt, neue große Brocken wurden auf den Weg in die Zukunft junger Menschen mit geradezu Brachialgewalt gerollt", kritisierte Dohnal. Die Auswirkungen seien besonders für Mädchen und Frauen fatal.

Prammer erinnerte an die "Geburtsstunde" des Johanna-Dohnal-Förderpreises". 2004, anlässlich des 65. Geburtstages von Johanna Dohnal, haben die SPÖ-Frauen Johanna Dohnal den Preis geschenkt und ins Leben gerufen. Prammer würdigte Dohnal als Frau, der es immer ein besonderes Anliegen ist, Frauen und Mädchen zu fördern. Prammer dankte ebenso wie Dohnal den SponsorInnen. "Die Resonanz und das Echo waren sensationell, auch für das nächste Jahr sind schon Patinnen und Paten vorgemerkt", so Prammer, die von einem wichtigen und guten Signal sprach. Der Förderpreis beträgt pro Arbeit 800 Euro - "ein Symbol, wenn man so will - das sind aufgerundet zweimal die Studiengebühren", so Prammer.

Hauch wünschte allen Anwesenden einen "kämpferischen internationalen Frauentag" und vergab die Förderpreise für sechs Arbeiten an Doris Arztmann, Elke Auer und Esther Straganz, Julia Girardi, Andrea Leitner, Birgit Rosenhammer und Carolin Tener und Tina Ring. Hauch hofft, dass der "Johanna-Dohnal-Förderpreis" ein Ansporn dafür ist, den wissenschaftlichen Weg weiter konsequent zu verfolgen.

"Wir dürfen das Ziel, dass für Frauen wissenschaftliche Karrieren genauso selbstverständlich sein müssen, wie für Männer, nicht aus den Augen verlieren", unterstrich Rachinger. "Frauen brauchen die Wissenschaft als interessantes Betätigungsfeld und die Wissenschaft braucht Frauen, um sich von historisch gewachsenen männlichen Vorurteilen zu befreien", so Rachinger. (Schluss) sk

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0017