Kein Hausverbot für Leithe-Jasper

Stellungnahme des KHM zum Kunsthistoriker-Protest

Wien (OTS) - Generaldirektor Wilfried Seipel hat dem ehemaligen Direktor der Kunstkammer, Manfred Leithe-Jasper, kein Hausverbot erteilt. Leithe-Jasper hat wie alle anderen pensionierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kunsthistorischen Museums eine Dauerkarte mit freiem Eintritt in das Kunsthistorische Museum und seine Sammlungen.
Es ist nicht nur in der internationalen Museumswelt, sondern auch in jeder anderen Institution üblich, dass ehemalige Mitarbeiter bei Pensionsantritt Dienstschlüssel, Tresorschlüssel (!) und Zutrittskarten an das Unternehmen retournieren.

Als Beamter unterliegt Leithe-Jasper auch nach seinem Austritt aus dem Museum der Verschwiegenheitspflicht nach dem Beamtendienstrecht.

Leithe-Jasper sowie einige wenige ehemalige Sammlungsdirektoren und Kuratoren hatten bzw. haben Ausnahmegenehmigungen zur Benützung für wissenschaftliche Recherchen in ihrem ehemaligen Sammlungsbereich.

Leithe-Jasper ging mit 31. Dezember 2000 in Pension. Das KHM forderte damals die Zutrittskarte nicht ein, da Leithe-Jasper einen wissenschaftlichen Sammlungskatalog über die Renaissance-Bronzen des KHM in Aussicht gestellt hat. Leithe-Jasper verbrachte in der Folge zwei Jahre als "guest senior curator" in Washington und hat bis Februar 2006 nicht mehr wissenschaftlich im Kunsthistorischen Museum gearbeitet. Den vom KHM für seine wissenschaftliche Tätigkeit zur Verfügung gestellten Computer für zu Hause hat er bis heute nicht zurückgegeben.

Da Leithe-Jasper mehr als sechs Jahre nicht mehr im Haus wissenschaftlich tätig war und auch der versprochene Sammlungskatalog dem KHM bis heute nicht vorliegt, bestand keinerlei Veranlassung, die Ausnahmeregelung (Zutrittskarte und Arbeitsplatz in der Kunstkammer) noch weiterhin aufrecht zu halten.

In einem Brief des Generaldirektors vom 14. Februar 2006 wird ausschließlich sein Besuch der Kunstkammer, die derzeit aufgrund einer Generalsanierung geschlossen ist, geregelt. Es versteht sich von selbst, dass pensionierte Mitarbeiter keinen uneingeschränkten Zutritt zu den Depots und in die für die Öffentlichkeit geschlossenen Sammlungsräume haben.

Gegen Voranmeldung hat Leithe-Jasper, sowie übrigens alle anderen Wissenschaftler auch, die Möglichkeit, Recherchen in der Kunstkammerdirektion durchzuführen. Die wissenschaftliche Bibliothek sowie die Schauräume stehen Leithe-Jasper wie auch der Öffentlichkeit selbstverständlich im Rahmen der Öffnungszeiten zur Verfügung. Somit ist er von der wissenschaftlichen Forschung in keiner Weise abgeschnitten.

Die Kunstkammer wird im Augenblick saniert, auf insgesamt 2.700m2 erweitert und planmäßig Ende 2007 wiedereröffnet. Sie ist eine der bedeutendsten Sammlungen des Hauses und verdankt Ihre Bestände an Goldschmiedearbeiten, Kleinbronzen, Skulpturen und Elfenbeinarbeiten, Steingefäßen und Tapisserien der Sammelleidenschaft der Habsburger. Die Meisterwerke dieser teils merkwürdigen, teils sehr kostbaren Objekte der Kunst- und Wunderkammern der Renaissance waren zuletzt in den beiden vielbeachteten Ausstellungen "Exotica" (2000) und "Meisterwerke aus den habsburgischen Kunst- und Wunderkammern" (2005) zu bewundern.

Damit auch dieser Sammlungsbereich auf ein so hohes ausstellungstechnisches Niveau wie die jüngst generalsanierte Antikensammlung gebracht wird, sind Sanierungsmaßnahmen in der Höhe von rund 6 Millionen Euro erforderlich. Ein Teil der Kosten wird über eine derzeit laufende Fundraising-Kampagne aufgebracht.

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