Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Österreich (SWV): ÖVP-Bundesregierung und ÖVP-Wirtschaftsbund lassen Unternehmerinnen im Stich

SWV-Frauen kritisiert unterlassene Förderung der Unternehmerinnen anlässlich des internationalen Frauentages

Wien (OTS) - "Es ist immer dasselbe. Vor der Wahl entdeckt die ÖVP-dominierte Bundesregierung die Klein- und Mittelbetriebe als mögliche Wählergruppe und widmet sich sogar den Unternehmerinnen, nach der Wahl versinken wir wieder in der Schublade", so Sonja Biricz, Vize-Präsidentin des SWV.

Rund ein Drittel der UnternehmerInnen sind Frauen. Die Herausforderungen der Unternehmerinnen sind allgegenwärtig: Basel II, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mangelndes Lobbying, Vorurteile in so genannten (ehemaligen) Männerdomänen, Krankheit und Pflegeleistungen etc. "Wird allerdings konkrete Unterstützung seitens des SWV für die Unternehmerinnen gefordert, stößt frau in der ÖVP-dominierten Wirtschaftskammer auf heftige Ablehnung", so die weiteren Vize-Präsidentinnen des SWV KR Christa Ornest, KR Christine Adlitzer und DI Barbara Panosch.

Als Beispiel dafür nannten die vier Vize-Präsidentinnen des SWV einen Antrag, der bereits im Juni 2004 vom SWV im Wiener Wirtschaftsparlament eingebracht wurde. Darin forderte der SWV, dass die Wirtschaftskammer Wien Modelle zur Ergänzung der Kinderbetreuungseinrichtungen ausarbeiten und diese Modelle dann den zuständigen VertreterInnen des Landes vorstellen möge, um so für ausreichende Kinderbetreuungseinrichtungen mit entsprechenden Öffnungszeiten, die auf die Bedürfnisse der UnternehmerInnen, ihrer MitarbeiterInnen sowie der KundInnen ausgerichtet sind, zu sorgen.

Grundlage für den eingebrachten Antrag war eine vom SWV in Auftrag gegebene Studie hinsichtlich der Situation der Unternehmerinnen in Wien. Zwei Drittel der Wiener Unternehmerinnen mit Klein- und Mittelbetrieben (KMU) haben Kinder, 67 Prozent davon betreuen ihre Kinder untertags oft selbst. Dahingehend steht nur ein knappes Drittel der Partner untertags für die Kinderbetreuung zur Verfügung. "Es besteht heute mehr Handlungsbedarf denn je. Die Doppelbelastung für die Unternehmerinnen ist enorm und sie sind in ihren Karrierechancen massiv benachteiligt", so Ornest.

Die ÖVP-Mehrheitsfraktion in der Wirtschaftskammer Wien lehnte den Antrag ab. "Die ÖVP hat uns Frauen im Stich gelassen. Wenn es schon so ist, dass die Kinderbetreuung noch immer mehrheitlich zu den Aufgaben der Frauen zählt und die Unternehmerinnen deshalb gegenüber ihren männlichen Kollegen benachteiligt sind, dann ist es unverständlich, dass die ÖVP-dominierte Wirtschaftskammer die Frauen nicht fördert", bedauerte Ornest.

Der SWV fordert daher:

  • Die Schaffung eines spezifischen Frauenförderungsprogrammes: Unternehmerinnen brauchen entsprechende Garantien oder Haftung für das nötige Startkapital.
  • Die Anhebung der Zuverdienstgrenze beim Kindergeld: Die Unternehmerin soll frei wählen können, ob sie den derzeit zwangsweise auf 2,5 Jahre verteilten Gesamtanspruch in einem kürzeren Zeitraum abrufen möchte oder nicht.
  • Die Anpassung des Wochengeldes für Unternehmerinnen an das der unselbstständigen Frauen: Unternehmerinnen bekommen derzeit 23,05 Euro pro Tag, unselbständig Beschäftigte hingegen den Durchschnitt der letzten drei Monatseinkommen im Monat.
  • Die Schaffung flexibler Öffnungszeiten bei Kinderbetreuungseinrichtungen.

Ähnliche Erfahrungen sammelte Katharina Schinner, Vorsitzende des Jungen Wirtschaftsverbandes, hinsichtlich der Gründerinnen. "Jede zweite GründerIn scheitert in den ersten Jahren der Selbstständigkeit. Junge Frauen haben es doppelt schwer. Gerade sie brauchen eine optimale Unterstützung und Service in den ersten Jahren, da Basel II, Steuern, Versicherungen etc. die Unternehmerinnen am Beginn besonders stark beanspruchen. Die Wirtschaftskammer bietet zwar Informationen an, aber viele Aspekte gehen an der Realität vorbei, sind zu theoretisch und nützen den Gründerinnen zu wenig", so Schinner.

Daher fordert Schinner ein Gründerinnen-Coaching, eine öffentlich finanzierten Unterstützung in den ersten drei Jahren der Selbständigkeit. Dadurch könnten Insolvenzen wegen betriebswirtschaftlicher oder sonstiger Fehleinschätzungen vermieden werden. Bestandteil ihrer Forderungen ist ein Mentoringsystem bestehend aus einem Drei-Phasen-Modell:

  • Vorbereitungsphase: Beratung bei der realistischen Verwirklichung von der Idee bis hin zur konkreten Umsetzung
  • Umsetzungsphase: Intensive Begleitung im ersten Jahr
  • Unternehmerinnenphase: periodische Begleitung während der weiteren zwei Jahre

"Gründerinnen müssen nicht dieselben Fehler wie ihre erfahrenen Kolleginnen machen. Sie brauchen unabhängige Spezialistinnen, um die eigene Entscheidung zu überprüfen, zu relativieren und eine Idee auf ihre Realisierbarkeit abzuwägen. Die ÖVP-dominierte Wirtschafskammer ist ebenso gefordert wie die ÖVP-Bundesregierung", schloss Schinner.

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