Holz macht stark

Politik muss Zukunftschancen der Forstwirtschaft fördern

Wien (OTS) - Die Forstbetriebe konnten im vergangenen Jahr ihre Ertragslage verbessern. Jedoch nicht alle. Wirtschaftlich schwierig ist die Situation vor allem im Gebirge. Dennoch hat die Branche gute Zukunftsaussichten. In den Wäldern stehen enorme Holzreserven, der heimische Rohstoff ist weltweit gefragt. Damit die Forst- und Holzwirtschaft die Chancen nutzen kann, muss die Politik die Rahmenbedingungen verbessern.

"Die wirtschaftliche Lage der heimischen Forstbetriebe hat sich verbessert", betont Felix Montecuccoli, Verbandspräsident der Land&Forst Betriebe Österreich. Im vergangenen Jahr konnten die Betriebe einen Gewinn von rund 5,5 Euro pro Festmeter erzielen. Damit liegen der Holzpreis und die Gewinnspanne der Forstwirtschaft zwar noch immer weit unter dem Niveau gegen Ende der 1990er Jahre. Erfreulich ist jedoch, dass gegenüber 2004 der Gewinn um 1,5 Euro je Festmeter gestiegen ist. Zu dieser positiven Entwicklung hat insbesondere das erfolgreiche Kostenmanagement beigetragen: Trotz steigender Energiepreise sowie Lohnkosten ist es den Forstbetrieben gelungen, in den letzten zehn Jahren die Kosten um mehr als zehn Prozent zu senken. Einsparen konnte man vor allem aufgrund besserer Ernteverfahren und Auslastung der Maschinen, höherer Mechanisierung sowie dank des guten Forststraßennetzes.

Vor größeren, Markt beeinflussenden Schadereignissen - wie etwa Stürme oder Borkenkäfer - ist die heimische Forstwirtschaft im vergangenen Jahr verschont geblieben. Belastend für die Forstwirtschaft sind jedoch noch immer die hohen Folgekosten für die Reparatur von Schäden nach den Naturkatastrophen in den vergangenen Jahren: Österreichweit liegt der Anteil für Wiederaufforstung, Pflege und Forstschutz an den Gesamtkosten der Forstbetriebe bei rund 9 Prozent. Weil die Gesundheit der Wälder an oberster Stelle steht, haben sie in den letzen 10 Jahren trotz der sinkenden Erträge in diesen Bereich investiert.

Bessere Preise stärken Forst- und Holzwirtschaft

Mit besonders schwierigen Rahmenbedingungen hat die Gebirgsforstwirtschaft zu kämpfen. "Denn im steilen Gelände können Maschinen nur begrenzt eingesetzt werden", erklärt Montecuccoli. Während im Flachland Holzerntekosten von rund 17 Euro pro Festmeter anfallen, müssen Betriebe im Mittelgebirge mit 20,5 Euro und im steilen Hochgebirge mit 25 Euro pro Festmeter rechnen. Daher konnte über ein Drittel der heimischen Forstbetriebe keine Gewinne erzielen. Die Bergregionen machen auch den großen Wettbewerbsnachteil Österreichs im internationalen Vergleich deutlich: in Deutschland liegen die Holzerntekosten bei etwa 15 Euro, in Skandinavien bei nur 12 Euro.

Eine schwere Last für diese Betriebe sind auch die enormen Schneemengen des heurigen Winters. Das Räumen der Forststraßen verursacht zusätzliche Kosten, die Holzernte musste verschoben werden, Schneebrüche beschädigen das Holz und führen zu erhöhten Erntekosten. Lieferengpässe und zeitweilige Produktionsstillstände bei den Sägewerken und der Holzindustrie sind in erster Linie auf weniger Rohstoffimporte zurückzuführen. "Wir tun unser Bestes, um den Engpass bei unseren Marktpartnern zu beseitigen", betont Montecuccoli. "Trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen ziehen die Forstbetriebe Nutzungen vor." Damit leisten sie einen entscheidenden Beitrag, die holzverarbeitenden Betriebe mit zusätzlichen Rohstoffmengen auszustatten. Neben den Gebirgsregionen ist auch das östliche Flach- und Hügelland ein wirtschaftliches Sorgenkind der heimischen Forstwirtschaft. Aufgrund niedriger Holzzuwächse, hoher Waldbaukosten und unbefriedigenden Holzerträgen müssen die Forstbetriebe in dieser Region ein Minus von über 10 Euro je Festmeter verkraften. Gerade in dieser Region kann die Produktion von Biomasse für die Strom- und Wärmeerzeugung neue Impulse für die Bewirtschaftung bringen.

Die Ertragssituation der Forstbetriebe hat sich erst gegen Ende des Jahres 2005 entspannt. Infolge der Schadereignisse der vergangenen Jahre, sanken die Holzpreise um fast 7 Euro je Festmeter. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2005 erholten sie sich. Derzeit liegen die Sägerundholzpreise bei rund 72 Euro und die Industrieholzpreise bei etwa 28 Euro. Gegen Ende der neunziger Jahre lagen diese Preise noch bei 87 Euro für Sägerundholz sowie 43 Euro für Industrieholz. Dies zeigt, deutlich mit welchen Ertragseinbußen die Forstbetriebe in den letzten Jahren konfrontiert waren. Daher sind die aktuellen Preisverbesserungen dringend notwendig, damit sich die heimische Forstwirtschaft stabilisieren kann. Die positiven Preissignale motivieren zu einer verstärkten Waldbewirtschaftung und tragen somit zur Holzver-sorgung der heimischen Holz- und Energiewirtschaft bei.

Gemeinsam schlummernde Reserven wecken

Neue Herausforderungen bringt die große Rohstoffnachfrage der heimischen Holzindustrie. In den letzten Jahren lag die Holzversorgung der Sägeindustrie aus dem Ausland bei etwas mehr als 40 Prozent und bei der Papierindustrie bei rund 16 Prozent. Noch im Jahr 2004 wurden aus Deutschland mit etwa 3,6 Millionen Festmeter und aus Tschechien mit rund 1,8 Millionen Festmeter Rekordmengen an Nadelsägerundholz importiert. Die hohen Rohstoffmengen aus diesen Ländern haben entscheidend dazu beigetragen, dass die heimische Sägeindustrie ihre Produktion auf das Rekordniveau von heute 11 Millionen Kubikmeter steigern konnte.

Der Gesamtimport von Sägerundholz hat sich von 3 Millionen Festmeter im Jahr 1990 auf knapp 6 Millionen Festmeter im Vorjahr verdoppelt. Aufgrund der neuen Sägewerke in Deutschland und Tschechien war jedoch bereits 2005 ein Rückgang der Rundholzimporte von rund 10 Prozent aus diesen beiden Ländern spürbar. Dieser Trend wird sich fortsetzen.

Um die Produktionssteigerung der Holzindustrie zu unterstützen, haben die österreichischen Forstbetriebe den Einschlag erhöht. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Rohstoffversorgung geleistet. Allerdings schlummern in den österreichischen Wäldern noch gewaltige Potentiale an nutzbarem Holz. Damit die nachgefragten Reserven aus dem Kleinwald auf den Markt kommen, benötigen diese Wälder fachliche Betreuung - denn 60 Prozent ihrer Besitzer leben und arbeiten nicht mehr auf ihrem Hof. Neben den Waldwirtschaftsgemeinschaften können die Forstbetriebe mit ihrem Fachpersonal und Know-how als kompetente Betreuer dieser Wälder für ihre Eigentümer ein Zusatzeinkommen erwirtschaften. Voraussetzung dafür ist jedoch eine weiterhin stabile Entwicklung des Holzmarktes.

Auch die im Vorjahr gegründete Kooperationsgemeinschaft FHP (Forst-Holz-Papier) konnte einige Projekte zur Holzmobilisierung in Gang bringen und teilweise sogar abschließen. In allen Bundesländern sind Projekte für eine gezielte Holznutzung im Kleinwald angelaufen. Mit den österreichischen Holzhandelsusancen konnten zudem die "Spielregeln" für das Holzgeschäft fertig verhandelt werden, im Sommer erfolgt die Publikation. Derzeit wird die Ö - Norm L1021 für die transparente Holzübernahme ausgearbeitet. Knapp vor dem Abschluss steht eine elektronische Standardschnittstelle für die Übermittlung des Einzelstammproto-kolls bei der Holzübernahme von der Säge zum Forst. Im Herbst soll die Umsetzung dieser neuen Handelsbedingungen bei den Sägewerken starten. Ein ähnlicher Standard der Datenübertragung wird auch für die Papier- und Plattenindustrie sowie das Energieholz vorbereitet.

Forst- und Holzwirtschaft sind Lokomotive für positive Leistungsbilanz

Die heimische Forst- und Holzwirtschaft trägt mit einem Exportüberschuss von geschätzt 3,4 Milliarden Euro entscheidend zur positiven Leistungsbilanz Österreichs bei: Fast 9 Prozent der heimischen Güterexporte stammen aus der Forst- und Holzwirtschaft. Die Branche ist somit neben dem Fremdenverkehr der wichtigste Devisenbringer unseres Landes.

Einen neuen Rekord erreichte die Holzbranche 2005 beim Export von Nadelschnittholz. Mehr als 7,3 Millionen Kubikmeter gingen ins Ausland. Damit ist Österreich das fünftgrößte Nadelschnittholzexportland der Welt. Hauptabnehmer bleibt Italien mit einem Exportanteil von über 60 Prozent. Steigerungen waren vor allem nach Amerika möglich. Der weltweite Trend zu besseren Schnittholzpreisen aus dem Vorjahr setzt sich auch dieses Jahr fort. Die Sägeindustrie hat auf ihren Märkten eine stabile Entwicklung. "Wir sehen dies als gutes Sig-nal für einen weiterhin soliden Rundholzpreis", betont Montecuccoli. Auch die Papier- und Plattenindustrie konnte ihre Exportzahlen weiter nach oben schrauben. Mit einem Exportanteil von über 85 Prozent gehört diese Branche international zu den Spitzenreitern.

Die Zukunft baut auf Wald und Holz

Die heimischen Forstbetriebe werden ihren erfolgreichen Weg der Kostensenkung weiter verfolgen. Die verstärkte Kooperation zwischen und mit den Forstbetrieben ist dabei ein wichtiges Instrument. Die kompetente Betreuung des Kleinwaldes durch Forstbetriebe ist ein entscheidender Baustein zur vermehrten Holzbereitstellung aus dem Inland. Die Stabilisierung der Holzpreise wird die Gewinnsituation der Forstbetriebe verbessern und die Waldeigentümer zur Bewirtschaftung ihrer Flächen motivieren.

Die österreichische Forst- und Holzbranche macht jährlich einen Umsatz von 10 Milliarden Euro. Das zeigt deutlich, welche volkswirtschaftliche Bedeutung die heimische Ressource Holz hat. "Wir haben gemeinsam mit der Holzindustrie das Potential, in Zukunft auf dem Weltmarkt unsere Position zu verstärken", so Montecuccoli. "Die österreichischen Waldbewirtschafter sind jedoch wegen der schwierigen Produktionsbedingungen im internationalen Wettbewerb klar im Nachteil. Daher muss die Politik gute Rahmenbedingungen schaffen. Um aufzuzeigen, wo Handlungsbedarf ist, hat der Verband der Land&Forst Betriebe Österreich ein Forstprogramm erarbeitet."

Im Rahmen des EU-Programms Ländliche Entwicklung muss eine verstärkte Förderung von Forststraßen möglich sein. Bei der Ausweisung von Schutzgebieten sollte man zurückhaltend agieren. Wichtig ist zudem, dass die Weiterführung des Waldmonitorings garantiert wird - das gilt insbesondere für die Österreichische Waldinventur. Um die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu mildern, müssen Maßnahmen getroffen werden: Ein Schwerpunkt sollte dabei auf einer Steigerung der Energieeffizienz und der Emissionsreduktion bei Verkehrssystemen, im Transport und in der Logistik liegen. Um die heimischen Wälder auf die Klimaänderungen vorzubereiten und anzupassen, muss ein Forschungsschwerpunkt zu die-sem Thema gebildet und finanziert werden. Mit der Pflege und Bewirtschaftung der Wälder leisten die Forstbetriebe und Waldbauern einen wichtigen Beitrag zur Filterwirkung des Waldes. Diese Arbeit sollte abgegolten werden. Auch im Bereich des Naturschutzes, dem Tourismus, Freizeit und Wohlfahrt erbringen die Waldbewirtschafter wertvolle Leistungen. Auch diese müssen möglichst bald fair bezahlt werden.

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