GMT-Nürnberger: Nur starke Gewerkschaften bieten Angriffen Paroli

Landeskonferenz von GMT und ANG Oberösterreich vor Gewerkschaftstag

Wien/Linz (GMT/ANG/ÖGB) - =

"Den zahlreichen Angriffen auf die
Rechte der Beschäftigten können auch in Zukunft nur starke Gewerkschaften Einhalt gebieten", sagte Rudolf Nürnberger, Vorsitzender der Gewerkschaft Metall - Textil (GMT), gestern vor den rund 330 Delegierten der Landeskonferenz von GMT und ANG in Oberösterreich. ++++

"Wenn wir uns nicht an die Veränderungen in der Wirtschaft anpassen, dann werden uns diese Veränderungen überrollen", sagte ANG Vorsitzender Rainer Wimmer bezugnehmend auf die bevorstehende Fusion. "Das gewerkschaftliche Motto 'Gemeinsam sind wir stark’ gilt heute mehr denn je. Deshalb werden wir uns im Mai zu einer neuen, starken Gewerkschaft zusammenschließen."

Auch GMT-Vorsitzender Rudolf Nürnberger betonte, dass starke Gewerkschaften immer wichtiger werden. "Von vielen Seiten kommen Angriffe auf die Rechte der Beschäftigten: Sie sollen noch länger arbeiten, für weniger Geld. Sie sollen unter dem Motto 'Eigenverantwortung’ ihre medizinische Versorgung oder ihre Pensionen zu immer größeren Teilen selbst finanzieren. Sie sollen sich ständig weiter qualifizieren, aber die nötige Zeit und das nötige Geld wollen viele Unternehmen nicht zur Verfügung stellen. Wer wenn nicht starke Gewerkschaften soll all dem Einhalt gebieten?"

Bei der Frage der Flexibilisierung der Arbeitszeiten werde, so Nürnberger, in nächster Zeit einiges auf die ArbeitnehmerInnen zukommen. "Von Unternehmen, ihren Interessenvertretungen und von PolitikerInnen kommen ständig Forderungen, und auch bei den Lohnverhandlungen werden wir immer wieder mit dem Thema konfrontiert. Wir lehnen es nicht ab, über Veränderungen bei den Arbeitszeiten zu verhandeln. In vielen Kollektivverträgen gibt es die verschiedensten flexiblen Möglichkeiten. Modelle, die alle finanziellen Vorteile den Unternehmen bringen und alle Nachteile den Beschäftigten finden wir allerdings wenig kreativ, so etwas wird nicht unsere Zustimmung finden." Nürnberger fordert zum Thema Arbeitszeiten auch eine klare Stellungnahme des Arbeitsministers Bartenstein: "In der EU steht heuer die Arbeitszeitrichtlinie auf dem Programm. Bartenstein soll in Österreich deutlich sagen, was er in Brüssel vertreten wird. Denn es geht nicht an, dass sich RegierungsvertreterInnen bei unbeliebten Maßnahmen ständig darauf ausreden, dass die EU das so vorgibt. Sie persönlich, und in der Frage der Arbeitszeiten Bartenstein persönlich, heben bei allen Entscheidungen in Brüssel die Hand und sind daher mit verantwortlich."

Ausverkaufspolitik der Regierung schädlich für Land und Arbeitsplätze

ANG-Landesvorsitzender Ferdinand Breiteck, Zentralbetriebsratsvorsitzender der Firma Austria Tabak, ging in seinem Bericht auf die wirtschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre ein: "Der Höhepunkt von Betriebsschließungen und Arbeitsplatzabbau dürfte hinter uns liegen, aber auch in den vergangenen Jahren hat es immer wieder Kündigungen wegen Ausgliederungen oder Verlagerungen gegeben. Eine wichtige Aufgabe der Gewerkschaft Agrar-Nahrung-Genuss war daher auch in den vergangenen Jahren die schwierige Situation für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen mit Sozialplänen oder Arbeitsstiftungen zu mildern." Im Zusammenhang mit der Industriepolitik der Bundesregierung kritisierte Breiteck den Ausverkauf heimischer Unternehmen seit dem Jahr 2000:
"Der Verkauf von Austria Tabak an einen britischen Konzern ist das beste Beispiel dafür, wie schädlich der Ausverkauf für das Land und die Arbeitsplätze ist. Die Standortgarantie der Briten aus dem Jahr 2001 war kaum abgelaufen, schon wurden die Standorte in Schwaz und in Fürstenfeld geschlossen. Und auch wenn der Standort in Linz im Moment gut da steht, Garantie haben wir keine, dass das auch in mehreren Jahren noch so ist. Das ist die falsche Politik."

Auch für GMT-Landesvorsitzenden Josef Kronister war die Politik der Bundesregierung ein Thema: "Die Beschäftigten kommen immer mehr unter Druck, das merken wir auch in unserer Gewerkschaftsarbeit. Die Regierung arbeitet hauptsächlich für die Unternehmen, ausbaden müssen das die ArbeitnehmerInnen. Wir haben in Oberösterreich zum Beispiel viele KollegInnen beraten, die im Krankenstand gekündigt worden sind. Schuld daran ist die Bundesregierung, die den Entgeltfortzahlungsfonds aufgelöst hat." In diesem arbeitnehmerInnenfeindlichen Klima seien starke Gewerkschaften wichtiger denn je, sagte Kronister bezugnehmend auf die im Mai geplante Fusion von ANG und GMT. "Nur wenn wir stark bleiben und stärker werden können wir solche Angriffe in Zukunft erfolgreich abwehren."

Josef Kronister (Voestalpine) als Landesvorsitzender gewählt

Josef Kronister wurde von den Delegierten zum Landesvorsitzenden gewählt. Seine Stellvertreter sind Ferdinand Breiteck, Fritz Fuchs, Hans Karl Schaller und Erich Schwarz, die Frauen werden von Roswitha Söllner vertreten, die Jugend von Jürgen Michlmayr. Diese neu gewählten FunktionärInnen sind ab dem Fusionsgewerkschaftstag im Mai 2006 im Amt.

Die Gewerkschaftstage von ANG und GMT finden von 8. bis 10. Mai 2006 im Austria Center Wien statt. GMT und ANG bieten unter der Webadresse www.gewerkschaftstag.at alle wichtigen und aktuellen Informationen rund um den Gewerkschaftstag.

ÖGB, 8. März 2006 Nr. 153

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