Krassnitzer: Demokratiepolitisches Experiment Schwarzblau soll beendet werden

Wien (SK) - "Es liegt an uns, die demokratischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Wenn wir eine Veränderung des gesellschaftlichen Systems wollen, dann sollten wir uns schon auch fragen, was wir selber dazu beitragen können", so Schauspieler Harald Krassnitzer am Dienstag in der Zukunftswerkstätte. Krassnitzer diskutierte mit der Leiterin der Zukunftswerkstätte und SPÖ-Bundesrätin Gertraud Knoll in der neuen Gesprächsreihe "Zwischentöne" über Gutmenschen und Krassnitzers Engagement in Österreich, Deutschland und Afrika. Krassnitzers politisches Engagement sei durch den Februar 2000 geweckt worden. "Es war demokratiepolitisch ein für mich nicht uninteressantes Experiment. Aber dieses Experiment sollten wir jetzt beenden", sagte Krassnitzer. ****

"Harald Krassnitzer bringt mit seinem breiten Engagement alle Voraussetzungen für das mit, was weitläufig als 'Gutmensch' bezeichnet wird", hielt Knoll fest, die betonte, dass sie der Zynismus in diesem Wort sehr störe. Krassnitzer betonte im Unterschied, dass er mit dem Begriff - bis auf dessen Herkunft - gut leben könne. "Es ist mir relativ gleichgültig, weil der Begriff nicht zum Ausdruck bringt, was ich tue. Ich muss mich dabei nur an mir selber orientieren und nicht an irgendwelchen Begriffen", so Krassnitzer. Schade sei nur, dass die Verwendung des Begriffs auch zeige, wie negativ politische Auseinandersetzung in Österreich geführt werde.

Allzu häufig werde die Bezeichnung Gutmensch auch mit politischer Naivität gleichgesetzt, so Knoll. Demgegenüber stehe die fast typisch österreichische, fatalistische Grundhaltung, dass sowieso nichts änderbar wäre und schon immer so gewesen sei. Dass ÖsterreicherInnen aber auch für soziale Themen sehr zugänglich seien, würden die großen Erfolge von Nachbar in Not und Licht ins Dunkel zeigen, argumentierte Krassnitzer. Irritierend sei aber, dass Ist-Zustände viel zu lange als gegeben hingenommen werden würden. "In Österreich wartet man viel zu häufig auf den klassen, feschen Politiker und Erlöser", so Krassnitzer, der ganz deutlich für ein Mehr an politisch inhaltlicher Diskussion eintrat. "Die Entthematisierung von Politik hat in den letzten Jahren vehement zugenommen."

Gutmenschen würden ausmachen, dass sie mit Hoffnung und Utopien über die Zukunft nachdenken würden. "Europa hat keine Vordenker und Utopisten mehr. Wir reden nur mehr über Ist-Zustände, den Status quo und vergangene Versäumnisse", kritisierte Krassnitzer eine fehlende gesellschaftspolitische Zukunftsvision.

Das Engagement in Afrika zeige ihm immer wieder, wie schnell Entwicklungen von Statten gehen könnten, so Krassnitzer. "Man sieht, wie schnell sich die Menschen dort an neue Bedingungen anpassen können. Erst durch Afrika habe ich Europa wieder begriffen", sagte der Schauspieler, der betonte, dass auch Europa vielleicht neue Gesellschaftsmodelle brauchen werde. "Wie in Afrika sollte auch Europa seine Vielfältigkeit und Buntheit viel stärker einsetzen und positiv nützen." Weiterhin gäbe es aber, trotz aller positiven Stimmungen in Afrika, große Probleme, die sich durch neue Formen des Kolonialismus - Krassnitzer nannte hier vor allem die reichen Industrienationen auf der Suche nach den letzten Rohstoffen - noch verstärken würden.

In Deutschland ist Krassnitzer im Verein "Dunkelziffer", der sich mit sexuell misshandelten Kindern beschäftigt, aktiv. Das größte Problem hier sei, dass der Besitz von Kinderpornographie in Deutschland quasi nur eine Geldstrafe bedeute. "Das ist die eigentliche Triebfeder einer Industrie, die jährlich bis zu 50 Milliarden Euro umsetzt", betonte Krassnitzer. Auch die Tatsache, dass zwei Drittel der Besucher von Kinderpornoseiten einfach nur auf der Suche nach dem ultimativen sexuellen Kick seien und hier einfach die Neugierde groß sei werfe die Frage auf, was denn da gesellschaftspolitisch passiere. Außerdem sei ein effektiver Opferschutz kaum gegeben.

"Es liegt an uns, die demokratischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Wenn wir eine Veränderung des gesellschaftlichen Systems wollen, dann sollten wir uns schon auch fragen, was wir selber dazu beitragen können", betonte Krassnitzer, der unterstrich, dass er sich für die Gesellschaft in der er lebe, auch verantwortlich fühle und es klar sei, dass man hier einen Teil dazu beizutragen habe. "Die Erwartungshaltung, dass muss aber der oder jener machen ist mir nicht verständlich", so Krassnitzer abschließend. (Schluss) js

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