WirtschaftsBlatt Kommentar vom 7.3.2006: Stromlösung: Der Murks wird prolongiert - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Der niederösterreichische Energieversorger EVN flog soeben bei der Privatisierung des rumänischen Stromverteilers Electrica Muntenia Sud aus dem Rennen. Fünf internationale Konkurrenten wurden für die Endrunde auserkoren: nämlich die deutsche RWE, die italienische Enel, die französische Gaz de France, die spanische Iberdrola und die tschechische CEZ. Der rumänische Staat rechnet mit rund 750 Millionen Euro für die 67,5 Prozent Anteile am regionalen Stromversorger - für die relativ kleine EVN womöglich ein zu grosser Brocken.
Angesichts der Schlappe am Balkan leuchtet wieder einmal ein, warum die niederösterreichische Stromfirma, die bereits zu knapp 30 Prozent der deutschen EnBW gehört, stets für eine "Österreichische Stromlösung" eingetreten ist. Dieses jahrelang immer wieder zerredete Projekt schien vergangenen Freitag nachts - wenn auch in deutlich abgespeckter Form - konkret zu werden. Am Samstag freute sich die "Krone" noch dezent über die "Stromlösung extralight": "Kein Geniestreich, aber eine Lösung, mit der alle Beteiligten gesichtswahrend leben können." Schon am Sonntag kam es jedoch zum verbalen Schlagabtausch, in den besonders Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer involviert war. Motto: Jeder gegen jeden - also: Oberösterreich gegen Wien, Politik gegen Stromfirmen, Stromversorger gegen Strombündnis und so weiter. Jetzt ist wieder alles offen - etwa die Frage, ob die Energie AG die Energie Allianz verlassen und sich samt der Linz AG wunschgemäss mit dem Verbund verbünden darf.
Fest steht bloss, dass der lang-jährige Murks wieder einmal prolongiert ist - wobei zwei Binsenweisheiten nicht sträflich vernachlässigt werden sollten. Erstens: Im Geschäftsleben kommt es, häufiger als man annimmt, auf die Chemie an. So manche Projekte müssen automatisch scheitern, weil die beteiligten Manager einfach nicht miteinander können. Die zweite Binsenweisheit: Es ist ein selten erprobtes Kunststück, die Begriffe Wettbewerb und Kooperation letztlich auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Was heisst das für die angepeilte Stromlösung light? Zum einen ist evident, dass die Chemie nicht stimmt: Verbund-Boss Haider, EVN-Boss Hofer und Energie AG-Boss Windtner, allesamt erfolgreiche Generaldirektoren, sind unmöglich unter einen Hut zu bringen. Es wird daher ein Wunschtraum bleiben, aus den drei starken Egos ein starkes Team zu formen. Zum anderen ist es illusorisch, eine Lösung zu verordnen, die die ostösterreichischen Energieversorger zur Kooperation verpflichtet, aber zugleich den Wettbewerb zwischen ihnen garantiert.

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