ECR 2006: Tumore mit Hitze "verkochen"

Radiofrequenz-Ablation ein "heißes Thema" am ECR 2006 Wien (OTS) - Am Europäischen Radiologiekongress (ECR 2006), der derzeit in Wien stattfindet, diskutieren im Rahmen eines mehrtägigen Workshops unter der Leitung von Prof. Riccardo Lencioni (Universität Pisa) 18 Interventionelle Radiologen aus 11 Ländern die neuesten Erkenntnisse aus dem Bereich der Radiofrequenz-Ablation.

Die interventionelle Radiologie stellt im Gegensatz zu anderen Bereichen des Fachgebietes keine Diagnose, sondern führt eine Therapie durch. Minimal invasive chirurgische Eingriffe werden unter Bildkontrolle durchgeführt, d.h. mit Hilfe von Röntgen- oder Ultraschallgeräten steuert der Radiologe millimeterdünne Instrumente (z. B. Katheter, Ballons) zum Ort der Erkrankung, um sie lokal zu behandeln.

Hitze gegen Krebs

Bei der so genannten Radiofrequenz-Ablation (RFA) wird eine Sonde an den Tumor herangeführt, die das kanzerogene Gewebe punktgenau "verkocht". Gesundes Zellmaterial kommt dabei nicht zu Schaden. Dieses höchst effiziente Verfahren mit sehr niedriger Komplikationsrate wird seit einigen Jahren erfolgreich in der Behandlung von Leberkrebs eingesetzt.

Mit Radiofrequenzen werden vor allem jene Tumore behandelt, die durch konventionelle Methoden nicht entfernt werden können - sei es, dass ein chirurgischer Eingriff zu risikoreich wäre oder alternative Behandlungsmethoden bereits ausgeschöpft sind.

Anlässlich des ECR 2006 präsentierte Professor Lencioni eine Studie mit viel versprechenden Erfolgen auch bei der Behandlung von Lungenkrebs: In 93 Prozent aller in der Studie erfassten therapierten Fälle konnte das Krebsgewebe erfolgreich zerstört werden. Die Überlebensrate der Patienten lag bei 91 Prozent nach zwei Jahren. Dazu der Experte: "Für Patienten mit primärem Lungenkrebs oder Metastasen in der Lunge, die nicht chirurgisch behandelt werden können, kann die Radiofrequenz-Ablation die Überlebenschance dramatisch erhöhen, ohne dass durch die Therapie die Lebensqualität eingeschränkt wird."

Auch Prof. Afshin Gangi von der Universitätsklinik Strassburg sieht nur Vorteile: "Dem Patienten bleiben keine großen Narben zurück, er ist nicht den Risken einer Vollnarkose ausgesetzt - und die Therapie dauert nur 30 Minuten. Ein zusätzlicher Vorteil liegt darin, dass diese Prozedur unendlich oft wiederholt werden kann, weil sie - zumindest im Vergleich zur Bestrahlungs- oder Chemotherapie -kaum Nebenwirkungen nach sich zieht."

Prof. Gangi, Experte auf dem Gebiet der Behandlung von Knochenkrebs, sieht zwei wichtige Einsatzgebiete für die RFA: "Zum einen können wir durch die Behandlung den Tumor lokal zerstören, zum anderen hilft uns diese Methode auch außerordentlich in der Schmerzlinderung." Um die Gefahr pathologischer Knochenbrüche nach der Entfernung des Tumors zu mindern, werden die Knochen mittels Injektion von Knochenzement gestützt. Die RFA und die Injektion von Zement sind beides minimal-invasive Eingriffe, die nur anhand von hoch auflösenden, bildgebenden Verfahren möglich wurden.

Dass die RFA ein breites Anwendungsfeld mit viel Zukunftspotential darstellt, zeigten die Interventionellen Radiologen anhand von vielen positiven Erfahrungsberichten bei der Behandlung von Brustkrebs, Prostatakrebs, Nierenkrebs sowie bei Läsionen im Schädel und Nackenbereich.

Rückfragen & Kontakt:

ECR Press Office
Anita Resch
Tel.: +43-1-533 40 64 /320
anita.resch@ecr.org

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0007