Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: Ärger für Jung und Alt (von Manfred Posch)

Ausgabe 5. März 2006

Klagenfurt (OTS) - Kurz nach Inkrafttreten der Rechtschreibreform soll vieles wieder ganz anders werden; eine Reform der Reform (Re-Reform) greift um sich. Darüber mögen zwar die Hühner lachen. Die Verlage tun es sicher nicht, hat denen doch schon die erste Reform Millionen gekostet. Und völlig Recht (vormals recht, bald wieder/auch recht) hat Susanne Jerusalem, Wiener Schulsprecherin der Grünen, wenn sie meint: "Die Schüler sind erbarmungslosen Bürokraten ausgeliefert!" KTZ-Zusatz: Lehrer nicht minder!
Sportler sind irritiert, weil sich die gelbe Karte in eine Gelbe verwandelt. Grund genug, in Jubel auszubrechen, hat indes eine Milliarde Katholiken: Der Heilige Vater bleibt groß - eindrucksvolles Beispiel für langen, durch Jahrtausende wehenden Kirchenatem. Zurück zum Start geht´s mit den nachfolgend angeführten Rechtschreibbrocken - man beachte die Reihenfolge alt, neu, ganz neu: das Schwarze Brett, das schwarze Brett, das Schwarze Brett; angst und bange, Angst und Bange, angst und bange; eislaufen, Eis laufen, eislaufen, leid tun, Leid tun/leidtun, leidtun; näherkommen, näher kommen, näherkommen. Der "Kurier" bringt das/den Schlamassel auf den Punkt, indem er schreibt: "Die deutschen Kultusminister beschlossen bei einem Runden Tisch, der kurzfristig eigentlich ein runder Tisch war, um künftig wieder ein Runder Tisch zu sein, dass die Rechtschreibreform reformiert wird."
In Deutschland wird die neuerlich neu werdende Rechtschreibung von Ende März 2006 an gültig sein, in Österreich mit Beginn des kommenden Schuljahres eingeführt werden. Also einmal mehr umlernen!Wobei streng zu fragen bleibt, wie es mit dem Grips jener Experten beschaffen ist, die so rasch und erbarmungslos an den Stellschrauben der Orthografie (Orthographie) drehen. Möglicherweise geht die Antwort mit der Feststellung konform, dass erwähnte Herrschaften vernünftige Arbeit betreffend unausgelastet sind.
Immerhin: Die Reform der Reform birgt allenthalben Erbauliches. In Briefen erlaubt sie wieder das große Du. Verwandte, Freunde, Kollegen etc. werden sich freuen. Und weil das kleine Brief-du seine zwei Buchstaben in der Tat nicht wert war, sei ein süßes Geheimnis verraten: Der Verfasser hat das unsympathische Reform-du ohnehin übersprungen - purer Höflichkeit halber und, wie man sieht, in weiser Voraussicht.Man kennt doch seine Reform-Pappenheimer.

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