Gusenbauer kündigt größte bildungspolitische Reform der 2. Republik an

"Moderne Bildungspolitik ist Zukunftspolitik für den Wohlstand unseres Landes"

Linz (SK) - "Österreich verdient ein besseres Bildungssystem. Das klingt vielleicht banal, aber dahinter verbirgt sich eine gigantische Herausforderung, die eine Bundesregierung hinterlässt, deren bildungspolitische Reformen nur in einer finanziellen Ausdünnung des bestehenden Systems bestanden hat", so SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer am Samstag bei der Bundesbildungskonferenz der SPÖ in Linz. Die Frage der Bildung sei eine von fundamentaler Bedeutung, so Gusenbauer, da sich mit ihr die Zukunft einer Gesellschaft und ihrer Bürger entscheide. "Wer heute in der PISA-Studie nur den 20. Platz belegt, der wird morgen wohl auch beim Lohnniveau und im Wohlstand den 20. Platz erreichen", so Gusenbauer, der grundlegende Reformen bei einer sozialdemokratisch geführten Regierung ankündigte. ****

Bildung würde nicht nur auf der gesellschaftlichen, staatlichen und wirtschaftlichen Ebene grundlegend für die Entwicklung einer Gesellschaft sein, es ginge auch um die persönliche Entwicklung und die Chancen jedes Einzelnen, so Gusenbauer. "Wenn im 20. Jahrhundert die Klassengesellschaft durchlässig geworden ist, dann ist das der Bildungspolitik und den Bildungschancen für viele zu verdanken." Eine moderne Wissensgesellschaft könne es sich nicht leisten, auf die Fähigkeiten und Begabungen ihrer jungen Menschen zu verzichten. "Bildungspolitik ist der wichtigste und entscheidende Teil einer Zukunftspolitik", sagte Gusenbauer, der von einem untrennbaren Zusammenhang zwischen dem Lohnniveau jedes Einzelnen und dem Wohlstand einer Gesellschaft sprach. "Es wird nicht ausreichen, einige Hochbegabte zu haben. Wir brauchen möglichst viele mit einem möglichst hohen Maß an Bildung. Der Fortschritt einer Gesellschaft ist immer nur so groß, wie der Fortschritt im Bildungsbereich ist", betonte der SPÖ-Vorsitzende.

Es sei verantwortungslos, wie die Bundesregierung und ihre Vertreter "in einer biedermeierlichen Selbstzufriedenheit" auf die schlechten PISA-Ergebnisse reagieren würden, kritisierte Gusenbauer. "Das erinnert fast ein wenig an althochdeutsche Verhaltensweise, den Überbringer der schlechten Nachricht zu enthaupten", so Gusenbauer zur Absetzung des bildungspolitischen Beraters der Bundesregierung, Günter Haider. Gusenbauer zeigte auf, dass es ein schockierendes Ausmaß nicht nur bei den Leseschwächen der 15-Jährigen gibt, sondern auch, dass jährlich viele SchülerInnen und Schüler dem Bildungssystem verloren gingen. "Wer nur einen Pflichtschulabschluss oder nicht einmal den hat, ist besonders von Arbeitslosigkeit gefährdet", zeigte Gusenbauer die direkten Folgen einer verfehlten Bildungspolitik, die Einzelne zurücklasse, auf. 45,4 Prozent der Arbeitslosen hatten 2004 einen Pflichtschulabschluss als maximal höchste Bildung.

Gusenbauer, der erneut forderte, das letzte Kindergartenjahr als Vorbereitung für die Schulen zu nutzen und den Kindergarten als pädagogische Einrichtung zu verstehen, betonten ebenfalls die Notwendigkeit der Senkung von Klassenschülerhöchstzahlen - vor allem in den Volksschulen. "Außerdem wollen wir bis 2010 100.000 Ganztagsschulplätze schaffen, um eine echte Wahlfreiheit zu ermöglichen", so Gusenbauer. Darüber hinaus sagte der SPÖ-Vorsitzende: "Wir wollen den Einstieg in die Gesamtschule beginnen. Dafür wird eine einheitliche LehrerInnenausbildung der erste Schritt sein."

Dies seien die Grundlagen der größten bildungspolitischen Reform der 2. Republik, die Gusenbauer für den Fall einer sozialdemokratisch geführten Regierung in Aussicht stellte. Dass diese Schritte und eine solche Reform nötiger als je seien, zeige sich daran, dass das Bildungsthema mittlerweile bei allen Bevölkerungsschichten und bei allen Diskussionen ein überaus bedeutendes ist. "Nichts ist stärker, als eine Idee, deren Zeit gekommen ist", so Gusenbauer abschließend. (Schluss) js

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