GMT-Nürnberger: Fusion bringt Mitgliedern Vorteile

Landeskonferenz von GMT und ANG Kärnten vor Gewerkschaftstag

Wien/Keutschach (GMT/ANG/ÖGB) - "Fusionen im Gewerkschaftsbereich müssen den Mitgliedern ganz konkrete Vorteile bringen", sagte Rudolf Nürnberger, Vorsitzender der Gewerkschaft Metall - Textil (GMT), vor den Delegierten der Landeskonferenz von GMT und ANG in Kärnten. "Die Verbesserungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld im Textilbereich, die wir seit der Fusion von Metall- und Textilgewerkschaft im Jahr 2000 erreicht haben, sind solche Vorteile, konkret gesagt: mehr Geld für die Beschäftigten."++++

Adam Unterrieder, ÖGB-Landesvorsitzender, begrüßte die rund 160 Delegierten der beiden Gewerkschaften. Manfred Felix, Zentralsekretär der Gewerkschaft Agrar-Nahrung-Genuss (ANG), sprach über die Motive für die im Mai geplante Fusion: "Rund um uns verändert sich die Wirtschaft in rasantem Tempo. Ganze Branchen verschwinden und neue entstehen. Dafür müssen sich auch die Gewerkschaften rüsten. Damit wir auch in Zukunft stark sein können, müssen wir Kräfte bündeln, nur so erhöhen wir unsere Durchsetzungsfähigkeit und unsere Kampfkraft."

GMT-Vorsitzender Nürnberger ging unter anderem auf die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ein. Zur von den Unternehmen immer wieder ins Spiel gebrachten Formel 10 - 12 - 60 - 2, also 10 Stunden Normalarbeitszeit und 12 Stunden Höchstarbeitszeit pro Tag, 60 Stunden Höchstarbeitszeit pro Woche, durchgerechnet auf zwei Jahre -fand Nürnberger deutliche Worte: "Die Arbeitgeber sagen, sie ersparen sich dadurch eine Milliarde Euro. Da muss man schon die Frage stellen, wo dieses Geld herkommen soll. Die Antwort ist auch klar:
aus unseren Lohntüten!" Die Gewerkschaften hätten in der Frage der Arbeitszeiten nie die Augen verschlossen, so Nürnberger. "Wir haben schon Anfang der 1990er Jahre flexible, moderne Modelle vereinbart. Wir sind auch in Zukunft offen für Neues, unter der Bedingung des Gegenverkehrs. Alles Geld in die Taschen der Unternehmen wird es mit uns nicht geben."

Am Beispiel des gemeinsamen Entgeltsystems für ArbeiterInnen und Angestellte, das bereits in mehreren Branchen in Kraft ist oder vor dem Abschluss steht, stellte Nürnberger die Innovationsfähigkeit der Gewerkschaften unter Beweis: "Die ArbeiterInnen und Angestellten von Elektroindustrie und Metallindustrie haben bereits gemeinsame Entgeltsysteme, in den Bereichen Erdöl und E-Wirtschaft stehen wir kurz davor. Das beweist, dass wir sehr offen für neue Regelungen sind - wenn beide Beteiligten profitieren."

Anlässlich der von Landeshauptmann Haider geplanten Abschaffung der Wohnbauförderung im Rahmen der Kärntner ArbeitnehmerInnenförderung verabschiedete die Konferenz einstimmig folgende Resolution:

"Die Gewerkschaften Metall - Textil (GMT) und Agrar-Nahrung-Genuss (ANG) sprechen sich bei der Landeskonferenz von GMT und ANG Kärnten vehement gegen die von Landeshauptmann Haider geplante Abschaffung des Wohnbauzuschusses im Rahmen der Kärntner ArbeitnehmerInnenförderung aus.

Seit dem Jahr 1984 bekommen Kärntner ArbeitnehmerInnen in den Bereichen Fahrtkosten, Bildung und Wohnraum Zuschüsse vom Land Kärnten. Pro ArbeitnehmerIn wird zum Beispiel jedes Jahr ein Fahrtkostenzuschuss von durchschnittlich 250 Euro gewährt. Im Bereich Wohnbauförderung wurden im vergangenen Jahr ca. 2.700 ArbeitnehmerInnen mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro unterstützt.

GMT und ANG fürchten, dass die Abschaffung des Wohnbauzuschusses nur ein erster Schritt wäre. Wenn Fahrtkosten- und Bildungszuschuss ebenfalls abgeschafft werden, hätte das gravierende Folgen für die Kärntner Beschäftigten. Die Unternehmen verlangen immer mehr Mobilität und Flexibilität von den Beschäftigten, diese sind auch bereit dazu. Sie nehmen zum Beispiel lange oder beschwerliche Anfahrtswege zu ihren Arbeitsplätzen in Kauf oder bilden sich beruflich weiter. Da auch das Land Kärnten von flexiblen ArbeitnehmerInnen profitiert ist es mehr als angebracht, dass das Land das auch unterstützt. Besonders die BezieherInnen niedriger Einkommen werden durch diese Zuschüsse gefördert, vor allem Frauen sind davon betroffen. Wer ihnen diese Förderung nun streichen will, straft alles Gerede von Chancengleichheit für Frauen am Arbeitsmarkt Lügen. Die Gewerkschaften Metall - Textil (GMT) und Agrar-Nahrung-Genuss (ANG) werden Einschränkungen bei der Kärntner ArbeitnehmerInnenförderung daher nicht hinnehmen.

Die Delegierten der Landeskonferenz von GMT und ANG fordern:
O keine Abschaffung des Wohnbauzuschusses,
O das volle Weiterbestehen sowie die finanzielle Aufstockung der Kärntner ArbeitnehmerInnenförderung,
O verstärkte Anstrengungen um Arbeitsplätze in Kärnten zu schaffen angesichts der Arbeitslosenzahlen in Kärnten, die weit über dem Bundesschnitt liegen.

GMT und ANG wissen die ArbeitnehmerInnen auf ihrer Seite, sollte LH Haider die ArbeitnehmerInnenförderung einschränken oder abschaffen."

Goach gegen Einzelkämpfertum

GMT Landesvorsitzender Günther Goach, Präsident der Kärntner Arbeiterkammer, sprach deutliche Worte zur geplanten Fusion von ANG und GMT: "Gerade in schwierigen Zeiten brauchen wir starke Gewerkschaften, um Verschlechterungen für die Beschäftigten zu verhindern. Einzelkämpfertum ist der falsche Weg, nur gemeinsam sind wir in der Lage, die Herausforderungen, die sich uns stellen, anzunehmen."

Ewald Rijavec, Landesvorsitzender der ANG Kärnten, spannte den Bogen von der Vergangenheit der ANG bis in die Zukunft. "Wir haben schon eine Fusion hinter uns, weil die Rahmenbedingungen das damals notwendig gemacht haben. Wenn Branchen abwandern oder große Betriebe zusperren, spüren wir das bei den Mitgliedszahlen. Wir wollen unsere Mitglieder auch in Zukunft gut vertreten, zum Beispiel bei der Rechtsberatung und Rechtsvertretung, daher müssen wir uns überlegen, wie wir das auch als kleine Gewerkschaft schaffen - oder uns mit anderen zusammen tun, um die nötige Stärke zu behalten."

Neues Landespräsidium gewählt

Günther Goach wurde von den Delegierten zum Landesvorsitzenden gewählt. Seine StellvertreterInnen sind Ewald Rijavec, Gabriela Bodner, Waltraud Fritz, Martin Kowatsch, Maximilian Pichler und Erwin Priebernig. Diese neu gewählten FunktionärInnen sind ab dem Fusionsgewerkschaftstag im Mai 2006 im Amt.

Die Gewerkschaftstage von ANG und GMT finden von 8. bis 10. Mai 2006 im Austria Center Wien statt. GMT und ANG bieten unter der Webadresse www.gewerkschaftstag.at alle wichtigen und aktuellen Informationen rund um den Gewerkschaftstag.

ÖGB,4.März 2006 Nr. 144

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