EU-Seminar Content for Competitiveness 4 - Welche Rolle spielt staatliches Handeln in Contentmarktpolitik?

Wien (OTS) - Im Fokus des Nachmittagspanels der heute Vormittag eröffneten EU-Konferenz "Content for Comeptitiveness" standen das staatliche Handeln in zukünftigen Content-Märkten, die öffentlichen Aufgaben in künftigen Content-Märkten (vor allem im Hinblick auf die dort stattfindenden technologischen Entwicklungen), insbesondere auf europäischer, aber auch auf nationaler und lokaler Ebene.

"Die Europäische Kommission stößt sich nicht daran, dass sich öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten über öffentliche Mittel finanzieren. Sie fordert allerdings mehr Transparenz und die Finanzierung von kommerziellen Programmen aus Werbeeinnahmen. Gerade im Hinblick auf die neuen Entwicklungen im IT-Bereich ist es von großer Bedeutung, dass die öffentlich-rechtlichen Medien ihrem Auftrag in den Bereichen Bildung, Information und Unterhaltung nachkommen und ihr Angebot auch auf die neuen Medien ausdehnen", so Loretta Dormal-Marino, Direktorin in der Generaldirektion für Wettbewerb der Europäischen Union.

Karol Jakubowicz vom Nationalen Rundfunkrat Polens warnte davor, in der Diskussion um die öffentlichen Aufgaben in den künftigen Content-Märkten die Kultur zu vernachlässigen. "Die derzeit geführte Diskussion fokussiert zu stark auf den "content" und den "gemeinsamen Markt. Wir müssen aber auch die Bereiche Kultur und Bürgergesellschaft mit einbeziehen, um so die kulturelle Innovation stärker zu fördern", so Jakubowicz.

Linnar Viik vom Estischen Zentrum für Information machte auf die rasante Entwicklung Estlands im IT-Bereich aufmerksam. Estland habe mit sehr geringen Mitteln ein Output erzielt, das weit über dem EU-Durchschnitt lag. "Es gibt in Estland keine IT-Politik. Sie ist ein integraler Bestandteil der gesamten Politik", erklärte Viik. Als einen der Gründe für diesen Erfolg führt er die Flexibilität der Bevölkerung an. "Eine Gesellschaft im Wandel denkt immer an Veränderung. Für sie sind Verbesserungen somit leichter möglich", so Viik.

Mark Ferrero, Ministerium für Kultur, Medien und Sport des Vereinigten Königreiches, berichtete über die Kreativwirtschaftsstrategie, die sein Ressort gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium gestartet hatte. "Wir streben in diesem Projekt eine breite Vielfalt an. Für uns ist das Ergebnis dieser Konferenz sehr wichtig" so Ferrero.

Kultur dürfe nicht zur Ankurbelung der Wirtschaft instrumentalisiert werden, forderte Véronique Cayla, Generaldirektorin des Centre national de la cinématographie. 90% der Einnahmen aus dem weltweiten Filmgeschäft würden den USA zugute kommen. "Wir brauchen eine gesamteuropäische Politik, um den europäischen Film zu fördern", forderte Cayla.

Der Schweizer Verleger Hans Heinrich Coninx (Tamedia) sprach sich gegen die von der Europäischen Kommission geplante Revision der Fernsehrichtlinie aus, insbesondere gegen die beabsichtigte Regelung betreffend des product placements. "Das würde dem Printbereich, der in den letzten Jahren schon sehr stark unter Druck geraten ist, noch mehr zusetzen", so Coninx.

Gregory Paulger, Direktor der Generaldirektion für Informationsgesellschaft und Medien der Europäischen Kommission verteidigte den Vorschlag der Kommission. "Das product placement gibt es bereits in bestimmten Programmtypen wie etwa in importierten Programmen. Die Europäische Kommission tritt für vernünftige Regeln ein. Wir wollen eine größere Flexibilität, weil wir mit der weltweiten Entwicklung Schritt halten wollen", so Paulger abschließend.

Information zur Konferenz: www.contentconference.at

Livestreaming:
http://streaming.telekom.at/index.php?option=com_content&task=view&id
=202&Itemid=210

Rückfragen & Kontakt:

Bundespressedienst/Bundeskanzleramt
Dr. Walter Reichel
01/531 15/2401

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBU0005