DER STANDARD-KOMMENTAR "Guggings Vernichtung" von Lisa Nimmervoll

Gesetzesentwurf für die "Elite-Uni" ist ein Akt der vorsätzlichen Zerstörung - Ausgabe vom 3.3.2006

Wien (OTS) - Es gibt also eine Mission. Die Regierung hat der geplanten, so genannten Elite-Universität im vorliegenden Gesetzesentwurf wörtlich "Die Mission: Grundlagenforschung auf höchstem Niveau" auferlegt. Das klingt schön. Ambitioniert. Nach Weltklasse. Das klingt groß, zu groß. Das ist angesichts der bisherigen Genese des elitären Projekts illusorisch. Mission impossible.

Der am Mittwoch von ÖVP und BZÖ im Parlament eingebrachte Gesetzesentwurf für die Gugginger Uni liest sich wie der vorläufige Höhepunkt des Dauerversuchs, alles, was nur möglich ist, falsch zu machen. Wenn das Exzellenzinstitut in der so gerühmten niederösterreichischen Idylle tatsächlich getreu den Worten dieses Gesetzestexts eingerichtet wird, ist das vorsätzliche Selbstzerstörung. Der finale Vernichtungsakt.

Von Unabhängigkeit ist im schwarz-orangen Gesetzestext ebenso wenig zu lesen wie von Internationalität, der wichtigsten Voraussetzung für ein Forschungszentrum, das dem Anspruch, in der internationalen Oberliga der Wissenschaft mitspielen zu wollen, genügen will. Stattdessen liest sich das Zwölf-Seiten-Papier als "Hereinspaziert!"-Aufforderung für parteipolitische Mitmischer. Und es atmet den Geist einer wissenschaftspolitischen Provinzialität, die hofft, möglichst unbehelligt von kritischen Geistern von außen Geistestitanen für die große Welt zu produzieren.

Das Gründungsmotto für das "National Committee", welches das "Institute of Science and Technology - Austria" in den nächsten Wochen und Monaten konkretisieren soll, dürfte "Wir bleiben unter uns" heißen. Abgesehen vom Affront, dass es der Ministerin nicht möglich war, eine Frau für das Gremium zu finden, sitzen in der Zehnerrunde nur deutschsprachige Herren, die mit Österreich oder Deutschland per Geburt oder per Job zu tun haben. Ein Offenbarungseid angesichts internationaler Standards, die auch beim österreichischen "Nobelpreis", dem Wittgenstein-Preis, selbstverständlich sind:
Ausschließlich ausländische Wissenschafterinnen und Wissenschafter fungieren dort als Gutachter.

Noch problematischer ist aber die Beschickung des "obersten Leitungsgremiums" der "Elite-Uni". Viel unverblümter als es Schwarz-Blau im Universitätsgesetz bei den Universitätsräten versucht hat, öffnet die Lex Gugging parteipolitischen Einflüssen Tür und Tor. Das "Kuratorium" soll von der Bundesregierung mit vier Personen und vom Land Niederösterreich mit drei beschickt werden. Aber im Gegensatz zu den Uni-Räten, wo wenigstens Mindeststandards politischer Sauberkeit hineingeschrieben wurden, indem Politiker und Beamte ausdrücklich ausgeschlossen sind, fehlen für das oberste Gremium in Gugging sogar Qualifikationserfordernisse für Kuratoriumsmitglieder. Der Regierung und Landeshauptmann Erwin Pröll genehm - und vom selbst gemachten Gesetz genehmigt - sind alle Personen, "die aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Ziele des Institute of Science and Technology - Austria leisten können". Das riecht verdächtig nach Einflugschneise für Interventionen aller Art - das Letzte, was Forschung braucht.

Dass die Industrie sich standhaft weigert, ihren finanziellen Beitrag verbindlich zu nennen, darf wohl auch als Absetzbewegung eines vom Initiatorenteam um Quantenphysiker Anton Zeilinger diplomatisch als "suboptimal" bezeichneten Projektverlaufs interpretiert werden.

Über das Wichtigste an der Causa Gugging wird von der Politik sowieso erst gar nicht geredet: über Wissenschaft und was sie braucht. Vor allem Freiheit. Aber die Freiheit der Wissenschaft ist mit der Freiheit, die die Macher der Lex Gugging meinen, unvereinbar. Zu viele irreparable Fehler wurden in der Vorlaufphase gemacht, so dass die Chancen für ein Gelingen des an sich durchaus überlegenswerten Projekts für die österreichische Wissenschaftslandschaft Richtung null gehen. Toter kann die "Elite-Uni" nicht mehr werden.

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