WirtschaftsBlatt Kommentar vom 3.3.2006: Das System Stronach scheint zu scheitern - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Das jüngste Gerücht aus Frank Stronachs Magna-Imperium besagt, dass sich bald der nächste leitende Mitarbeiter vertschüssen dürfte. Mathias Reichhold, früher Kurzzeit-Minister und ein paar Wochen sogar FPÖ-Chef, ist als Vorstandsdirektor der staatlichen Autobahngesellschaft Asfinag im Gespräch - und soll dank Vizekanzler Hubert Gorbach beste Chancen haben, den Job zu kriegen.
Mit Reichhold, der den Austro-Kanadier in Verkehrs- und Infrastrukturfragen berät und obendrein für Weltraumtechnologien zuständig ist, würde dem Magna-Konzern binnen kürzester Zeit bereits der dritte jener Top-Manager davonrennen, die mit viel Tamtam aus der Politik geholt worden sind: Andreas Rudas, dereinst Ex-SPÖ-Bundesgeschäfts-führer, geht als Statthalter der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung ins Zeitungsgeschäft; Herbert Paierl wiederum, der steirische Ex-Wirtschaftslandesrat, hat Magna Cosma verlassen, um sich neu zu orientieren und gemeinsam mit Stefan Pierer etwas zu unternehmen. Übrigens: Ob der Vierte im Bunde, der frühere FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler, bei Magna Entertainment wirklich so glücklich ist, wie er gerne beteuert, wird sich noch weisen. Eine Rückkehr in die Politik ist bei ihm jedenfalls nicht auszuschliessen. Für Frank Stronach sind die jüngsten Abgänge seiner Protegés selbstverständlich eine weitere Schlappe, nachdem der machtbewusste Fussball-Narr schon als Austria-Sponsor Schiffbruch erlitt. Der recht unberechenbare Industrielle, der den diversen Ex-Politikern schöne Verträge geboten hat und tolle Gagen bezahlt, muss wohl eines erkennen: Die Strategie, sich mit klingenden Namen samt guten politischen Beziehungen zu umgeben, war gewiss kein rauschender Erfolg. Mit Ausnahme von Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky, der als langjähriger Spezi immer noch in Magnas Board of Directors sitzt, aber sonst über den Dingen steht, dürfte es letztlich keinem von ihnen genügen, als Frankies prominente Staffage abgestempelt zu werden.
Unser Fazit: Das amerikanisch angehauchte System Stronach droht also zu scheitern. Während derartige Ausgedinge für Ex-Politiker in den USA nichts Ungewöhnliches sind, werden sie in Österreich automatisch für Versorgungsjobs gehalten. Frank Stronach wird wohl oder übel einsehen müssen, dass er den einstigen Polit-Funktionären nichts Gutes tut. Übrigens: Magna fährt mit professionellen Managern wie Siegfried Wolf ohnedies besser.

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