Pensionsreform: Massive Kritik der Spitalsärzte

Lebensarbeitszeitmodell eingefordert - Arbeitszeitüberschreitung als laufender Rechtsbruch - Aufgeheizte Stimmung

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) wirft der Bundesregierung anhaltendes Desinteresse an den "schwerwiegenden sozialen und arbeitsrechtlichen Problemen" der Spitalsärztinnen und Spitalsärzte vor. Im Zusammenhang mit der geplanten Einbeziehung von Polizisten und Soldaten in die Schwerarbeiterregelung spricht der Spitalsärzte-Obmann, Harald Mayer, von einem weiteren Akt "instinktloser Desavouierung und Benachteiligung" der Ärztinnen und Ärzte im Pensionssystem. "Ärzte arbeiten in ihrem Berufsleben wegen durchgehender Dienste wesentlich mehr als der Durchschnitt. Deshalb fordern wir ein Lebensarbeitszeitmodell im Pensionssystem, das diesem Umstand Rechnung trägt", so Mayer Donnerstag in einer Aussendung.

Hintergrund der Ärzte-Forderung sind der durch die überlange universitäre Ausbildung mit durchschnittlich 29 Jahren sehr späte Berufseintritt und die nicht adäquate Berücksichtigung der überlangen Arbeitszeiten des Berufsstandes. Ärztinnen und Ärzte erbringen bis zu ihrem 65. Lebensjahr auf Grund eines eklatanten Arbeitseinsatzes, laufender Nacht-, Feiertags- und Wochenenddienste eine Lebensarbeitszeit, die um 20 Prozent höher liegt als der Durchschnitt, der normalerweise in 45 Berufsjahren erreicht wird.

Der für Spitalsärzte zuständige ÖÄK-Vizepräsident und Chef der steirischen Ärztekammer, Dietmar Bayer, kritisierte die "seit Jahren zur Schau getragene Gleichgültigkeit der Regierung, wenn es um die berechtigten Forderungen und Anliegen der zentralen Leistungsträger im österreichischen Gesundheitswesen geht". Wenn in der Pensionsfrage für Polizisten und Soldaten ein Modell gefunden werde, dann müsse dies auch für die Spitalsärztinnen und Spitalsärzte gelten, deren hohe Verantwortung und Jahrzehnte lange Belastung außer Zweifel stehe.

Spitalsärztechef Mayer sprach in der Folge von einem "Skandal, dass die laufende Missachtung der gesetzlichen Arbeitszeit-Regelungen in Österreichs Spitälern von der Bundesregierung als systemimmanenter Rechtsbruch" zur Kenntnis genommen werde. Überarbeitung und Dauerstress der Spitalsärzte seien "aufoktroyierter Raubbau an den physischen und psychischen Kräften der Ärzte", der auch die Patienten gefährde.

Mayer: "Die Stimmung der Ärztinnen und Ärzte nähert sich dem Siedepunkt. Bei weiterer Missachtung wird es schwer werden, nachhaltige Protestbewegungen hintan zu halten."

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