Khol: Leopold Gratz war ein begeisterter Parlamentarier Nationalratspräsident würdigt verstorbenen Amtsvorgänger

Wien (PK) – "Leopold Gratz hat im Laufe seines Lebens hohe und höchste politische Ämter bekleidet. Aber eines war er immer: ein begeisterter Parlamentarier, von seinen Anfängen als Sekretär im Klub der SPÖ, als Bundesrat, als Abgeordneter, als Klubobmann seiner Fraktion und im Amt des Präsidenten des Nationalrats." So reagierte Nationalratspräsident Andreas Khol auf die Nachricht
vom Tod seines Amtsvorgängers Leopold Gratz. Khol eröffnete die Sitzung des Nationalrats mit einer Würdigung von Leopold Gratz
und einer Gedenkminute. "Seine Vorsitzführung im Nationalrat,
seine Menschlichkeit und sein Humor haben mich als damals jungen Abgeordneten beeindruckt. Leopold Gratz war ein großer Diener unserer Republik", sagte Khol weiter. "Mit großem Einsatz, umfassender Sachkenntnis und feinem Humor führte er seine Ämter zum Wohle unseres Landes. Mit ihm verlieren wir einen großen Österreicher, unser Mitgefühl gilt heute seiner Familie", schloss Khol.

Leopold Gratz wurde am 4. November 1929 in Wien geboren, wo er
auch seine Ausbildung absolvierte. Nach dem Studium trat er als Vertragsbediensteter in das Landesarbeitsamt Wien ein, ehe er
1953 Angestellter des SPÖ-Parlamentsklubs wurde. Schon zuvor
hatte Gratz als Sekretär der Wiener SJ politische Erfahrung gesammelt, die er im Klub anwenden konnte. Bald stieg er daher
zum Klubsekretär auf und übte dabei jene Funktion aus, die heute von den Klubdirektoren wahrgenommen wird.

1963 entsandte ihn das Land Wien in den Bundesrat, im März 1966 wechselte Gratz in den Nationalrat. Nach dem sozialistischen Wahlsieg 1970 berief Bundeskanzler Kreisky Gratz in seine Alleinregierung, wo er von April 1970 bis November 1971 als Unterrichtsminister wirkte. ScIm Zuge der Regierungsumbildung
nach den Neuwahlen 1971 schied Gratz aus der Bundesregierung aus
und übernahm den Posten des SP-Klubobmannes, den er bis Juni 1973 innehatte.

In diesem Jahr kam es zu einem Wechsel an der Spitze der Wiener SPÖ. Bürgermeister Slavik legte seine Ämter zurück, Leopold Gratz folgte ihm nach. Als Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien wurde Gratz auch zum Landesparteivorsitzenden der SPÖ Wien und
zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPÖ gewählt. Bei den Landtags- und Gemeinderatswahlen 1973 verfehlte Gratz nur
hauchdünn die Zweidrittelmehrheit im Rathaus. Gratz war auch bei den Wahlen 1978 und 1983 Spitzenkandidat seiner Partei, wo er jeweils eine solide absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit
einfahren konnte. In seine Amtszeit als Bürgermeister fallen u.a. die konsequente Fortsetzung des Wohnbauprogramms, die WIG 74 und
der Bau des Konferenzzentrums.

Im September 1984 übersiedelte Gratz vom Rathaus in das Außenamt und übernahm im Kabinett Sinowatz II den Posten des Außenministers. 57jährig schied Gratz im Juni 1986 im Zuge des Kanzlerwechsels von Sinowatz zu Vranitzky aus der Regierung aus
und zog sich eine zeitlang aus der aktiven Politik zurück - wenn
er auch weiterhin seine Parteiämter behielt. Im Dezember 1986 kehrte er in den Nationalrat zurück und wurde von den
Abgeordneten der XVII. GP zum Präsidenten gewählt. 1988 übergab er den Vorsitz der Wiener SPÖ an seinen langjährigen Freund Hans Mayr. (Schluss Würdigung/Forts. NR)

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