Altbürgermeister Leopold Gratz verstorben

Von 5. Juli 1973 bis 10. September 1984 Bürgermeister der Stadt Wien

Wien (OTS) - Altbürgermeister Leopold Gratz ist heute, Donnerstag, früh in der Krankenanstalt Rudolfstiftung nach längerer Krankheit gestorben. Gratz war von 5. Juli 1973 bis 10. September 1984 Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien und hat die Entwicklung der Stadt in dieser Zeit - vom U-Bahn-Bau bis zum Bau der Donauinsel - wesentlich geprägt.

Leopold Gratz wurde am 4. November 1929 in Ottakring geboren. Nach dem Besuch des Realgymnasiums studierte er an der Universität Wien Rechtswissenschaften und schloss das Studium mit der dritten Staatsprüfung ab. 1952/53 war er als Vertragsbediensteter beim Landesarbeitsamt Wien tätig und arbeitete von Mai 1953 bis zum Dezember 1954 als Angestellter des Klubs der Sozialistischen Abgeordneten und Bundesräte, ab 1. Jänner 1955 als Parlamentsbediensteter.

1963 wurde Leopold Gratz Zentralsekretär der SPÖ. Ebenfalls 1963 wurde er in den Bundesrat entsandt, dem er bis 6. März 1966 angehörte.

Als Nachfolger Franz Olahs zum Bezirksparteiobmann von Wien-Hernals gewählt, zog Leopold Gratz am 30. März 1966 als Abgeordneter in den Nationalrat ein, dem er bis zum 15. Juni 1973 angehörte. Nach der Etablierung der Minderheitsregierung Kreisky I gehörte ihr Leopold Gratz ab dem 21. April 1970 bis zum 4. November 1971 als Bundesminister für Unterricht und Kunst an; in diese Zeit fallen vor allem eine Bundestheaterreform, die Sistierung der Aufnahmeprüfung an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen und Ausweitungen der Schulversuche.

Von November 1971 bis Juni 1973 fungierte Leopold Gratz als Geschäftsführender Klubobmann des Klubs der Sozialistischen Abgeordneten und Bundesräte, bis er als Nachfolger des zurückgetretenen Felix Slavik zum neuen Wiener Bürgermeister gewählt wurde. Als solcher setzte er sich für eine Modernisierung der Stadtverwaltung ein und legte den Hauptakzent seines Regierungsprogramms auf die Sektoren "Gesundheit", "Verkehr" und "Wohnungswesen". Nach den Ereignissen um den Einsturz der Reichsbrücke am 1. August 1976 wurde das "Technische Sicherheitskontrollamt" geschaffen.

Zu den großen kommunalen Leistungen und Reformen während seiner Amtszeit zählen u.a. die Neugestaltung des Donaubereiches, die Fertigstellung des U-Bahn- Grundnetzes, die Revitalisierung der Inneren Stadt mit der Schaffung der großen Fußgängerzonen, die Wende zur Stadterneuerung, der Ausbau der sozialen Dienste und des Bürgerdienstes, die Einleitung der Dezentralisierung sowie die Reform der Stadtverfassung.

In der Amtszeit von Bürgermeister Gratz waren auch so diffizile Probleme, wie der Neubau des Allgemeinen Krankenhauses und die Wiederverwertung bzw. Aufbereitung der immer mehr ansteigenden Müllberge zu bewältigen.

Von September 1984 bis Juni 1986 war Leopold Gratz Bundesminister für Auswärtige Angelegenheiten im Kabinett Sinowatz.

Ab Dezember 1986 gehörte Leopold Gratz wieder dem Nationalrat an, zu dessen Ersten Präsidenten er wenig später gewählt wurde. Im Februar 1989 trat Gratz von allen politischen Funktionen zurück.

Vom Land Wien wurde Leopold Gratz 1979 mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern" ausgezeichnet. Im Juni 1995 wurde Leopold Gratz Ehrenbürger der Stadt Wien. (Schluss) gab

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Dr. Martin Gabriel
Tel.: 4000/81 842
gab@m53.magwien.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0004