Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wo Verzetnitsch Recht hat

Wien (OTS) - Bisweilen muss man auch Fritz Verzetnitsch Beifall klatschen. So etwa, wenn er mit dem Wirtschaftskammer-Präsidenten über die Arbeitslosen mit "Wiedereinstellungszusage" streitet. Das sind meist Arbeitskräfte in Tourismus oder Bauwirtschaft, die in jenen Monaten, in denen die Touristen ausbleiben oder das Wetter Bauarbeiten verhindert, einfach in die Arbeitslosigkeit geschickt werden. Nun wird gestritten, ob ihnen die Arbeitslosenunterstützung gekürzt werden soll, wenn sie sich weigern, ein anderes Joboffert anzunehmen.

Verzetnitsch ist dafür - zumal diese Kürzung ja auch anderen Arbeitslosen droht -, die Wirtschaft dagegen. Das ist nur auf den ersten Blick verblüffend. In Wahrheit findet da eine massive, jedoch versteckte Subvention durch alle Arbeitnehmer für Tourismus und Bauwirtschaft statt: Diese Branchen lassen in auftragsschwachen Zeiten die Mitarbeiter einfach von der Allgemeinheit finanzieren. Das ist etwa so, als würden Hochschullehrer jeden Juni gekündigt und im Oktober wieder angestellt werden.

Um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, die alle belastet, müsste freilich auch die Gewerkschaft umdenken und zulassen, dass im Rahmen von Jahresverträgen die Arbeitszeit sehr unterschiedlich verteilt wird. Wenn etwa ein Kellner durchgängig angestellt wird, muss er halt im Sommer viel mehr und länger arbeiten als im November.

*

Hingegen hat Christoph Leitl in einem anderen Streitpunkt recht:
Wenn nicht einmal die Gewerkschaft der Schwerarbeiterregelung zustimmt, dann sollte man sie doch gleich bleiben lassen. Der ÖGB benützt die Debatte aber nur, um parteipolitisch zu intrigieren und die Pensionsreform (für die Österreich heute europaweit gelobt wird) doch noch auszuhebeln. Freilich müsste dann auch die Wirtschaftskammer zugeben, dass jede Form der Entschädigung von Schwerarbeit durch die Allgemeinheit eine Subvention an deren Arbeitgeber ist: Die beuten deren Arbeitskraft überdurchschnittlich aus; die teure Frühpension zahlen dann aber die Anderen. Wie so oft.

www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
redaktion@wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWR0001