Macht und Wohlfahrt in einer geteilten Welt

Europarat-Botschafter Ettmayer und World Social Forum- Koordinatorin Kaara über Entwicklungszusammenarbeit, Globalisierung und Korruption

Wien, 24. Februar 2006 (OTS) Über Machtinteressen und Verantwortung in der Internationalen Politik diskutierten
Mittwoch Abend bei einer Veranstaltung des Instituts Umwelt-Friede-Entwicklung (IUFE) an der Politischen Akademie der ÖVP Österreichs Botschafter beim Europarat Wendelin Ettmayer,
dessen Buch "Eine geteilte Welt" präsentiert wurde, sowie die Koordinatorin des World Social Forum 2007 in Nairobi, Wahu
Kaara. ****

Bei der Globalisierung gehe es nicht nur um materielle
Werte, auch die Menschenrechte hätten eine globale Dimension erhalten, erklärte Ettmayer. Er plädierte dafür, Stabilität in Krisenregionen zu exportieren, um nicht Instabilität
importieren zu müssen. Österreichs Botschafter beim Europarat betonte die Notwendigkeit internationaler Mindeststandards im Sozialbereich. Alle WTO-Mitglieder sollten auch ILO-Mitglieder
sein und sich an deren Vorschriften halten. Nicht nur der Warenaustausch gehöre internationalisiert, sondern auch
soziale Standards.

Ettmayer hob auch hervor, dass in Österreich die Mittel für Entwicklungshilfe auf 0,45 Prozent des BIP verdoppelt wurden.
Man müsse bei der Entwicklungszusammenarbeit den Faktor "good governance" stärker ins Kalkül ziehen. Auch Sitten und
Gebräuche spielten für die Entwicklung eine wichtige Rolle.
Kriege und Bürgerkriege verhinderten in zahlreichen Ländern Afrikas jegliche Entwicklung. Niemand habe heute den Mut zu
sagen, dass die Verantwortung für den inneren Frieden auch
selbst wahrgenommen werden müsse. Die Staaten mit der größten Korruption lägen, wie internationale Rankings zeigten, in
Sachen Entwicklung an letzter Stelle, referierte Ettmayer.

Kaara: Ihr seid nicht sicher!

Die 2005 für den Friedensnobelpreis nominierte Word Social Forum-Aktivistin Wahu Kaara formulierte als Herausforderung
für das 21. Jahrhundert, dass "nie wieder Menschen hungrig
schlafen gehen müssen". Sie forderte Verantwortungsbewusstsein
für die Lösung der Weltprobleme ein. "Wir wollen ein erfülltes Leben. Die Welt hat alles im Überfluss", sagte Kaara. Man
dürfe nicht menschliches Leben in ökonomische Zahlen, wie
etwas das BIP, packen. Entwicklung müsse sich an der Qualität
des Lebens orientieren. Die Weltordnung sei ungerecht und
müsse endlich gerecht gestaltet werden. Es mangle vor allem an Gleichheit auf allen Ebenen.

"Ihr in Europa seid nicht sicher, ihr müsst aufwachen",
rief Kaara. Sie kritisierte die "Verrücktheit des Marktfundamentalismus" und die Macht der Finanzmärkte, und
forderte im Gegenzug eine Globalisierung für Leben und
Hoffnung ein. Zwischen Nord und Süd müsse Partnerschaft statt Paternalismus herrschen. Zur Frage, in wieweit die heutige
Situation der afrikanischen Länder dem Kolonialismus
geschuldet sei, sagte Kaara, man solle nicht gegenseitig mit
dem Finger aufeinander zeigen, aber: "Das Machtkonzept, das
wir kennen, ist jenes von Dominanz und Kontrolle - und das
rührt von der Kolonialisierung her. Wir haben unsere Werte
nicht zufällig verloren." Es sei ein neues Bewusstsein erforderlich, das auf nachhaltigen Werten basiere.

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