Ärzte fordern härtere Maßnahmen gegen Ultrafeinstaub

Brettenthaler: "Ultrafeinstaub noch schädlicher als größere Feinstaubpartikel" - Partikelfilter notwendig

Wien (OTS) - Eine noch immer unbefriedigende Lösung der Feinstaubproblematik bietet aus Sicht der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) die bevorstehende Novellierung der Immissionsschutz-Gesetzgebung. So sehe die Novelle keine Auflagen für die Nachrüstung von LKW und Schwerfahrzeugen mit Partikelfiltern vor, kritisierte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) Dr. Reiner Brettenthaler Freitag in einer Aussendung. Dies obgleich der Einsatz von nach dem Stand der Technik geprüften Partikelfiltern die Anzahl der ultrafeinen Staubteilchen um 95 Prozent reduziere.

"Während in den USA die besonders gefährlichen ultrafeinen Partikel schon seit 1998 erfasst werden und im Herbst wieder eine Verschärfung in Kraft treten wird, wird bei uns immer noch vorwiegend mit den größeren Partikeln argumentiert und zu wenig gegen den Ultrafeinstaub unternommen, der das Herzkreislauf-System schädigen kann", begründete Brettenthaler seine Kritik. Generell begrüße die Ärztekammer die Anschaffung neuer Fahrzeuge, auf die die Novelle unter anderem abstelle, da die so genannten Euro 4 und Euro 5 Fahrzeuge wesentlich weniger Stickoxide emittieren.

Allerdings sei für schädliche Gesundheitseffekte die Zahl der Partikel hauptverantwortlich. Und hier sei der so genannte Euro 5 Motor ohne Partikelfilter (abhängig vom Fahrmodus) nicht besser als die suboptimalen Vorläufermodelle. "Wir weisen darauf hin, dass aus gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Gründen alle LKW mit Partikelfilter ausgerüstet werden sollten, da die verursachten Gesundheitsfolgekosten - vor allem der Produktionsausfall der Wirtschaft durch Krankenstände - die Kosten der Nachrüstung um das vier- bis fünffache übersteigen", erklärte der ÖÄK-Präsident. Das Warten auf die Norm Euro 6, die Dieselfilter vorschreiben werde, sei "gesundheitlich und wirtschaftlich unvernünftig".

Brettenthaler erinnerte auch daran, dass in Skandinavien beispielsweise ganzjährige Fahrverbote für filterlose KFZ über 3,5 Tonnen bestünden. "Das sollte bei uns - bei wesentlich schlechteren Luftbedingungen - auch selbstverständlich sein", forderte der ÖÄK-Präsident. Gleichzeitig appellierte er an die Bundesländer, die Partikelfilterpflicht für Baumaschinen auch aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes auszudehnen. Bisher gilt diese Pflicht nur für die Bundesländer Tirol und Wien.

Die Österreichische Ärztekammer hatte bereits 1995 vor einem Anstieg des Dieselanteils bei PKW und des LKW-Verkehrs gewarnt, als die gesundheitliche Problematik des Feinstaubs der Öffentlichkeit noch nicht europaweit bewusst war. Brettenthaler: "Es sollten nicht wieder zehn Jahre vergehen, in denen die Grenzen für die größeren Partikel PM 10 vielleicht eingehalten werden, gleichzeitig aber ungehindert immer mehr kleinere Partikel in die Umwelt entströmen, die noch schädlicher sind, weil sie erhebliche Folgen für das Herz-Kreislauf-System haben."

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