Digitale Vernetzung durchdringt Alltags- und Arbeitsleben

Rasante Veränderung der Lebensstile durch Internet und neue Technologien - Schutz der Privatsphäre wird ausgehöhlt - Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen

Wien (OTS) - Die Durchdringung des Alltags mit Hightech-Geräten
und -Anwendungen wie mobilem Internet, W-LAN, Bluetooth und Co. ist zwar schon sehr weit fortgeschritten. "Das ist aber erst der Anfang", erklärte Univ.-Dozent Dr. Michael Nentwich, Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstag, Abend in Wien.

Auf dem Weg zur allgegenwärtigen Informationstechnologie liege die wahrscheinliche Zukunft in der weiteren Miniaturisierung von vielen IT-Tools und deren umfassendem Vordringen in das tägliche Leben, sieht der Wissenschafter Themen wie Pervasive oder Ubiquitous Computing auf dem Vormarsch. "Die faszinierende Idee dahinter ist, die täglichen Abläufe zu erleichtern, eine individualisierte Anpassung der Umgebung zu ermöglichen oder sogar das eigene Gedächtnis zu unterstützen", so Nentwich.

Eine Vision seien etwa Audio- und Videoaufnahmegeräte, die lebenslang alles aufzeichnen, was ein Mensch macht oder sieht - also eine Art "Gedächtniserweiterung". Selbst von mikroskopisch kleinem "intelligenten Staub" würde schon gesprochen. "Uns wird ein Schlaraffenland der totalen Vernetzung versprochen und das klingt auch gut. Allerdings kann sich keiner sicher sein, dass nicht alles, was er sagt oder tut, aufgezeichnet wird", warnte Nentwich.

Kontrolle über eigene Daten geht verloren

Die Vorteile der allgegenwärtigen Informationstechnologie könnten nur durch langfristige Datenspeicherung für die Profilerstellung und eine zunehmende Personalisierung erreicht werden. Die Kontrolle über die eigenen Daten gehe dadurch aber verloren. "Die Fundamente und Säulen des gegenwärtigen Schutzes der Privatsphäre werden ausgehöhlt", so Nentwich. Technische Lösungen, die Datenschutz und Richtigstellungsrecht - also den Anspruch auf Korrektur von unrichtigen Einträgen in Datenbanken - bewirken könnten, seien zwar grundsätzlich verfügbar, würden den Nutzen der IT-Lösungen aber zunichte machen.

"Die Lebensstile haben sich in den vergangenen Jahren durch die Verbreitung von Internet und neuen Technologien rasant verändert. Für die Menschen gehen diese Entwicklungen und die damit verbundenen Möglichkeiten manchmal fast zu schnell voran", bremst auch Robert Ludwig von NextiraOne Austria die Euphorie. Am Puls der Zeit zu leben, sei offenbar gar nicht so einfach.

"Wichtig ist die Frage, welche technische Errungenschaft eine echte Verbesserung der Lebens- und Arbeitsqualität herbeiführt. In der Geschäftswelt ist der ’Digital Lifestyle’ schließlich zum Teil mit größeren Investitionen verbunden", so Ludwig. Allerdings könnte beispielsweise Teleworking eine sinnvolle Ergänzung zur Normalarbeit und eine eigene Webseite ein gutes Aushängeschild für ein Unternehmen sein.

"Auch ein Drittel der Entscheidungsträger schreckt vor neuen Technologien zurück, weil befürchtet wird, dass dadurch alles komplizierter und stressiger wird", gab Franz Kühmayer von Microsoft Österreich zu bedenken. Durch "Arbeiten im Pyjama" würden zunehmend die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen. Damit einher gehe eine größere Verantwortung des Einzelnen, beispielsweise im Hinblick auf Zeitmanagement, erklärte der Microsoft-Manager, der die Medien dazu aufrief, nicht ausschließlich Augenmerk auf Produktdetails zu legen, sondern auch die gesellschaftlichen Auswirkungen von neuen Technologien zu hinterfragen.

Neue Geschäftsmodelle sind gefragt

Ein höheres Kommunikationsaufkommen verändere das Konsumverhalten und damit die Wirtschaft. Unternehmen müssten eine über viele vernetzte Kanäle reichende Informations- und Kontaktstrategie aufbauen und ihr Geschäftsmodell entsprechend anpassen. "Bei Computerspielen wie Everquest wird mit realem Geld etwas gekauft, was nur virtuell existiert. Die Frage lautet: Was heißt das für das eigene Unternehmen?", so Kühmayer.

"Manche Entwicklungen haben auch immensen Einfluss auf das Sozialverhalten - vor allem bei Jugendlichen. Früher musste man sich an seiner Mutter vorbei schleichen, um sich über das Festnetztelefon ein Date auszumachen. Heute werden Verabredungen per SMS getroffen", erklärte Georg Mündl von T-Mobile Austria. Nach der Sprache werde nun das Internet mobil, ein großer Teil der Mobilfunkkunden gehe bereits unterwegs online.

"Pausen zwischen Terminen zu nutzen ohne am Schreibtisch zu sitzen, erhöht die Effizienz und Produktivität", ist Mündl überzeugt. Es stelle sich immer mehr die Frage, ob ein Festnetzanschluss noch in jedem Haushalt notwendig sei, wenn man mit einem Endgerät sowohl daheim als auch unterwegs online gehen könne. "Für Unternehmen ist das kein Thema, aber für den individuellen User macht es Sinn", so der T-Mobile-Manager.

"Unterwegs will ich kleine Info-Häppchen, aber zu Hause brauche ich kabelgebundenes Breitband, weil das bei der Kapazität weiter die Nase vorne haben wird", meinte hingegen Edwin Ronacher von Kapsch CarrierCom. Die neuen Technologien könnten rosige Zeiten für Infrastrukturhersteller einläuten, "denn egal ob drahtlos oder drahtgebunden, die Voraussetzungen für die digitale Welt müssen gegeben sein. Sonst nützt die beste Anwendung nichts."

Infrastruktur ermöglicht neue Anwendungen

Breitbandige Zugänge und die dahinter liegende Anwendungslandschaft seien notwendig, um den "Digital Lifestyle" beispielsweise in Form von IP-TV bzw. Mobile-TV zu ermöglichen, aber auch die "vernetzte Arbeitswelt" in der Gestalt von Anwendungen wie "Mail", "Instant Messaging" und "Application Sharing" bereit zu stellen, befand Ronacher.

Mobil und vernetzt sieht auch Günter Hainisch von Hewlett-Packard (HP) Österreich die Zukunft: "Früher war alles klar geteilt. Da gab es einen Laptop, vielleicht schon einen PDA, ein Mobiltelefon, einen Festnetzanschluss und einen lokalen Internetzugang im Büro. Heute verschmelzen diese Kommunikationsstrukturen zunehmend."

Zurzeit seien vor allem zwei Entwicklungen feststellbar: Notebooks würden durch Datenkarten zu drahtlosen Kommunikationszentren, egal welche Funk-Technologie vor Ort zur Verfügung stehe. Und der Funktionsumfang von PDAs bzw. Smartphones wachse ständig: So könne man mit diesen Geräten inzwischen nicht nur telefonieren, sondern auch navigieren, fotografieren, via GPRS, EDGE oder Wireless LAN auf den Mailserver zugreifen und Websites aufrufen.

"Wir stehen am Anfang der IT-Zeit, nicht am Ende. Vernetzung ist eine schöne Sache, birgt aber auch Gefahren", so das Resümee von ITA-Direktor Michael Nentwich.

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