Niederwieser: SPÖ fordert neues Konzept für Berufsorientierung

Vorschläge der Zukunftskommission in der nächsten LP realisieren

Wien (SK) - Die stärkere Verankerung von Bildungs- und Berufsorientierung in der Schule fordert SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser. Derzeit stünden zehntausende Schülerinnen und Schüler vor der Entscheidung, welchen Beruf oder Bildungsweg sie im Herbst neu einschlagen werden. Gleichzeitig sei aber 50 Prozent des Versagens im Laufe eines Bildungsweges darauf zurückzuführen, dass die eigenen Fähigkeiten falsch erkannt wurden oder die Wahl der Schule, des Ausbildungsplatzes nicht mit den eigenen Fähigkeiten übereinstimmt, so Niederwieser in einer Pressekonferenz am Freitag. Die SPÖ legt deshalb ein Konzept für ein neues Bildungs- und Berufsorientierungsangebot vor, das u.a. Berufsorientierung als eine fixe Wochenstunde vorsieht. ****

Seit dem Schuljahr 1998/99 ist Berufsorientierung (BO) in der 3. und 4. Klasse der Hauptschulen und AHS-Unterstufen verankert. Allerdings haben die Schulen großen Spielraum bei der konkreten Umsetzung; vielfach werde BO in andere Unterrichtsgegenstände integriert - "ein Ansatz, der in diesem Fall nicht gut ist". Denn in einer Studie des Instituts für Bildungsforschung aus 2001 gaben 50 Prozent der SchülerInnen an, dass sie keine verbindliche Übung Berufsorientierung hatten, in der AHS-Unterstufe waren das überhaupt zwei Drittel der Befragten. Und auch die diese Woche von Ministerin Haubner veröffentlichte Studie "Jugend und Beschäftigung" stellt der schulischen Berufsorientierung ein schlechtes Zeugnis aus - "das war wohl eine unbemerkte Kritik der Ministerin Haubner an Ministerin Gehrer", so Niederwieser.

Die SPÖ will deshalb Berufsorientierung ausschließlich als verbindliche Übung - d.h. verpflichtend, aber ohne Noten - und als eigenes Unterrichtsfach verankert wissen. Alle SchülerInnen der 7. und 8. Schulstufe sollen eine fixe Wochenstunde in diesem Fach haben. Diese Wochenstunde könnte natürlich auch geblockt, etwa als Projektwoche, angeboten werden. Neu hinzukommen sollen auch BO-Angebote in der 9. und 10. Schulstufe und in der 11. und 12. bzw. 13. Schulstufe. Unumgänglich für ein gutes Angebot sei auch die Verbesserung und Intensivierung der Lehrer-Aus- und Weiterbildung. Außerdem sollte es verbindliche Qualitätsstandards geben.

Ein "best practice"-Modell für Berufsorientierung ist die "Kompetenzenwerkstatt", wie sie vom Zukunftszentrum Tirol und der Uni München entwickelt wurde, und die Jugendliche in einem mehrere Monate dauernden Projekt befähigen will, eigene Stärken besser kennen zu lernen. "Das Bildungsministerium ist dringend aufgefordert, sich das anzuschauen", so Niederwieser. Berufsorientierung sei sicher ein "Stiefkind" des Ministeriums - "dann soll man sich eben an schon bestehenden, guten Modellen orientieren", fordert der SPÖ-Bildungssprecher.

Kritik übte Niederwieser an den gestrigen Aussagen der ÖVP zu PISA-Koordinator Günter Haider; hier werde ein "renommierter, anerkannter Wissenschafter als unwissenschaftlich und parteipolitisch motiviert abqualifiziert", so Niederwieser. Die Vorschläge der Zukunftskommission seien für die SPÖ nicht tot; wenn nicht jetzt, "dann sollen sie in der nächsten Legislaturperiode eine Chance haben, realisiert zu werden".

Angesprochen auf die Broschüre der Lehrergewerkschaft zur Vorbereitung der Lehrer und Schüler auf den nächsten PISA-Test merkte Niederwieser an, dass die Lehrergewerkschaft offensichtlich wenig Vertrauen in die Arbeit ihrer eigenen Mitglieder habe. Grundsätzlich sei nichts dagegen zu sagen; "wenn solche Vorbereitungen die Ergebnisse verbessern, dann soll es mir recht sein". Dies dürfe freilich nicht vom notwendigen Reformprozess in den Schulen ablenken - "in erster Linie wollen wir ein gescheites Schulsystem". (Schluss) ah

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