"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Nichts ist mehr" (Von Max Ischia)

Ausgabe vom 24. Februar 2006

Innsbruck (OTS) - Kann ein urlaubender Privatier ein Herzstück des österreichischen Sportfundaments zum Bröckeln bringen? Sieht ganz danach aus. Während sich Walter Mayer, inzwischen entlassener ÖSV-Langlauf-Cheftrainer und Berater des Biathlon-Teams und vielerseits enttarnter Sündenbock für die Doping-Affäre, weiterhin im LKH Klagenfurt in psychiatrischer Behandlung befindet, liegen in Sestriere die Nerven blank. Gelinde ausgedrückt. Während die Oberen des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) zu retten versuchen, was kaum mehr zu retten scheint, wird die Kluft zwischen dem Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) und dem bedeutendsten rotweißroten Wintersportverband immer größer. Und das ist zweifelohne betrüblich. Im Sinne des heimischen Sports.

Spätestens seit dem als ÖSV-Pressegespräch getarnten Tragödien-Stadl am Dienstag ist mit der über die Jahre demonstrierten Einigkeit zwischen ÖOC und ÖSV aufgeräumt. Weil ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth reinen Tisch machte.

Und nichts ist mehr, wie es einmal war. Oder schien.

Wie weggewischt scheint die zweifelsohne vorzügliche Arbeit, die ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel in seiner nunmehr 16-jährigen Präsidentschaft geleistet hat. Wie weggewischt die Erfolge, welche auch dem ÖOC zu Glanz und Glorie gereichten. Jetzt wird auf einer anderen Bühne gespielt. Die ist nicht rotweißrot, sondern weltumspannend. Dort ist der ÖSV nicht das Muttertier des österreichischen Wintersports, sondern nur eine lästige Fliege, die den mächtigen Herren des Internationalen Olympischen Comités um die Ohren kreist.

Von welcher Seite man es auch sehen will, das Fass ist voll. Jeder weitere Tropfen führt unweigerlich zum Überlaufen. Bleibt die Frage, wer letztlich baden geht.

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