"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Gold und Geld" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 24.02.2006

Wien (OTS) - Sportlich und damit auch wirtschaftlich sind die Olympischen Spiele in Turin für Österreich die erfolgreichsten seit langem. Noch mehr Gewinn hätte sich aus den Goldmedaillen nur ziehen lassen, wenn amerikanische oder japanische Athleten auf österreichischem Material gesiegt hätten. Der Werbeeffekt ist auf diesen wichtigen Exportmärkten noch wesentlich größer, wenn dort Millionen Menschen mit ihren Idolen mitfiebern und deren Gold-Schi kaufen.
So oder so geht es bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und ähnlichen Veranstaltungen um viel Geld. Umso unverständlicher ist der unprofessionelle Umgang der Funktionäre mit dem Doping-Skandal im Lager der Biathleten und Langläufer. In einem normalen Unternehmen wäre es undenkbar, dass ein Abteilungsleiter mit einem Dienstwagen zu einer Veranstaltung fährt, bei der er Aufenthaltsverbot hat. Wenn er auch noch vorher stolz in einem Interview ankündigt, sich um dieses Verbot nicht zu kümmern, schrillen hoffentlich alle Alarmglocken. Nicht so im österreichischen Schiverband, der vom Staat und der Wirtschaft mit dutzenden Euro-Millionen finanziert wird. Dort weiß der Generaldirektor - er nennt sich dort Präsident und heißt Peter Schröcksnadel - nicht nur nichts von der Absicht seines für Olympia gesperrten Trainers Walter Mayer; es hat ihm offenbar auch niemand etwas von den öffentlich verlautbarten Plänen seines Mitarbeiters gesagt. Allein deshalb ist er untragbar. Er hat sein Unternehmen offenkundig nicht im Griff.
Entlassen werden Mitarbeiter vom Schiverband nur, wenn sie betrunken mit dem Dienstwagen Polizeiautos rammen oder unerlaubt dem Arbeitsplatz fernbleiben. Ob sie sich an (Doping-)Gesetze halten, interessiert den Herrn Präsidenten erst, wenn sie mit rauchendem Colt ertappt werden und Dopingutensilien aus dem Fenster werfen. Er ist nach eigenen Angaben nur dazu da, sich hinter seine Mitarbeiter zu stellen.
Das wäre theoretisch ehrenwert, ist aber im konkreten Fall ein Zeichen seiner Schwäche. Nichts hören, nichts sehen, nichts reden:
Das mag für die drei Affen aus der japanischen Mythologie ein angemessenes Verhalten sein. Für den Spitzenmanager eines Großbetriebs mit Millionenbudget ist es indiskutabel. Das gilt auch dann, wenn er - wie im konkreten Fall - als ÖSV-Präsident unentgeltlich ans Werk geht und seinen Gewinn "nur" aus diversen "Nebenjobs" wie der Vermarktung von Hermann Maier zieht.
Der österreichische Schiverband hat mit seiner Reaktion auf den Dopingskandal nicht nur alle "sauberen" Spitzenathleten, sondern ebenso die dahinter stehende österreichische Wirtschaft in Misskredit gebracht. Auch das muss thematisiert werden.
Wir Österreicher leiden ohnehin oft unter dem Ruf, schlitzohrige Zeitgenossen zu sein, die Konkurrenten mit halbseidenen Methoden um den Erfolg bringen wollen und wehleidig-präpotent reagieren, wenn sie dabei erwischt werden.. Wer dieses Image nährt, hat in Sport, Wirtschaft oder Politik nichts zu suchen.

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