Maier und Kranzl: Nein zur Ausweitung des "Kleinen Glücksspiels" in Österreich

Kranzl kämpft für Weiterbestand des Verbots in NÖ - Für bundesgesetzliche Regelung

Wien (SK) - Wettbüros und Glücksspielautomaten boomen - vor den Folgen des sogenannten "kleinen Glücksspiels" warnten heute SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier und die niederösterreichische SPÖ-Landesrätin Christa Kranzl in einer Pressekonferenz. Konkret geht es auch um Versuche von Seiten der ÖVP-NÖ, das Verbot des kleinen Glücksspiels in Niederösterreich aufzuweichen. Kranzl als zuständige Landesrätin setzt sich massiv für die Aufrechterhaltung des Verbots ein und verwies auf eine aktuelle Umfrage, wonach auch eine überwiegende Mehrheit der Niederösterreicher für das Verbot ist. Von Landeshauptmann Pröll fordert sie nun eine Stellungnahme zu dieser Diskussion. SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Maier kennt die Praktiken von Wettbüros aus seiner Arbeit als AK-Konsumentenschützer. Er spricht sich für eine bundeseinheitliche Regelung beim kleinen Glücksspiel aus. ****

In Niederösterreich ist seit 1982 nur der Betrieb von Automaten mit Geschicklichkeitsspielen erlaubt. Seit einigen Monaten gebe es nun intensives Lobbying von Automatenherstellern, informierte Kranzl. Im Dezember habe sich ÖVP-NÖ-Klubobmann Schneeberger plötzlich für eine Liberalisierung ausgesprochen. Kranzl ist gegen eine Aufweichung der Regelungen. Die Landesrätin für Konsumentenschutz verweist dazu auch auf eine aktuelle IFES-Umfrage: Drei Viertel der niederösterreichischen Bevölkerung lehnt Glücksspielautomaten ab, Frauen stärker als Männer. Und sogar 80 Prozent der Jugendlichen sind gegen Glückspielautomaten.

"Nicht nachvollziehbar" sind für Kranzl die Argumente der ÖVP-NÖ:
Die Tatsache, dass illegal gespielt werde, rechtfertige wohl nicht eine Aufweichung des Verbots. "Es gibt auch Menschen, die Drogen oder Kinderpornografie konsumieren - legalisiert man deshalb Drogenkonsum oder Kinderpornos?", so Kranzl. Die SPÖ-Landesrätin fordert nun von Landeshauptmann Pröll "endlich zur Problematik Stellung zu nehmen"; Pröll habe sich vor drei Jahren noch deutlich gegen das Glücksspiel ausgesprochen - "gibt es jetzt einen Sinneswandel?", so Kranzl.

Kranzl warnt vor allem vor den gravierenden negativen Folgen des kleinen Glücksspiels: Vier bis sechs Prozent der Österreicher sind von Spielsucht betroffen, 50.000 Personen gelten als schwer spielsüchtig. Bei 45 Prozent der Spielsüchtigen liegt das Einstiegsalter unter 18 Jahren, so Kranzl. Konsumentenschutzsprecher Maier kennt die Folgen von Spielsucht aus seiner Arbeit als Konsumentenschutzexperte der AK Salzburg. Scharf kritisiert er die Praktiken von Wettbüros und Automatenbetreibern; hier gehe es oftmals um "illegale Abzockerei", kritisiert er.

So würden Automaten oft so manipuliert, dass genehmigte Automaten einfach auf illegale Glücksspielautomaten umgerüstet werden können oder bei Kontrollen illegale Glücksspiele per Funk durch legale Geschicklichkeitsspiele ersetzt werden. Auch die "oft kriminellen Praktiken" von Wettbüros prangert Maier an: Ein Hunderennen, das am Bildschirm läuft, sei meist nicht live, sondern ein alter Film, der noch dazu unauffällig ausgetauscht werden kann.

Maier regt an, dass der Wett-Bereich wieder dem Glücksspiel-Gesetz unterstellt wird und es eine zentrale Vergabe an Wettanbieter gibt. Er und Kranzl befürworten außerdem eine bundeseinheitliche Regelung des kleinen Glücksspiels. Denn in Kärnten etwa, wo das kleine Glücksspiel erlaubt ist, denke das BZÖ sogar an noch liberalere Regelungen, wonach zwischen zwei Spielen auch kein zeitlicher Abstand mehr sein muss; dies erhöhe noch die Gefahr von Spielsucht, kritisierte Maier. Die SPÖ hat außerdem ein Forderungsprogramm zum Thema Spielsucht erarbeitet, das bald als Entschließungsantrag dem Parlament vorgelegt werden soll. Darin wird u.a. Grundlagenforschung zur Spielsucht, Einsatz von einem Bruchteil der staatlichen Glücksspieleinnahmen für Therapie und Beratung, Übernahme von Therapiekosten durch Sozialversicherungsträger, stärkere Kontrollen und mehr Suchtprävention gefordert. (Schluss) ah

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