SPÖ fordert raschen Beschluss von Anti-Dopinggesetz

Cap: Regierung lässt anständige Sportler im Stich - Kritik am "katastrophalen Krisenmanagement" des ÖSV

Wien (SK) - "Ziemlich verärgert" ist der geschäftsführende SPÖ-Klubobmann Josef Cap darüber, dass die tollen Erfolge der österreichischen Sportler bei den olympischen Spielen in Turin durch die Dopingaffäre verdeckt werden. Sein Ärger richtet sich hier insbesondere gegen die verantwortlichen Regierungspolitiker, namentlich Sportminister Schüssel und Sportstaatssekretär Schweitzer, "die längst schon Schritte hätten setzen müssen, um die Sportler zu schützen". In einer Pressekonferenz am Donnerstag forderten Cap und der Salzburger SPÖ-Abgeordnete und Doping-Experte Johann Maier den raschen Beschluss des Anti-Dopinggesetzes. ****

Ein Anti-Dopinggesetz wird von der SPÖ seit Jahren gefordert; nach etlichen Entschließungsanträgen der SPÖ sei man im Parlament schließlich im Mai 2004 sogar zu einer Vier-Parteien-Entschließung gekommen, mit der die Regierung aufgefordert wird, ein Anti-Dopinggesetz vorzulegen. Aber: Schüssel und Schweitzer haben seither nichts getan, kritisiert Cap, der es für ganz unverständlich hält, dass Schweitzer selbst nach den Vorfällen in Turin weiter "abwarten" will.

Die SPÖ fordert mit Nachdruck, dass man jetzt rasch das Anti-Dopinggesetz beschließt. Denn man wisse, was getan werden muss. Mit dem Gesetz auf Basis der Global Convention der UNESCO soll das Reglement der WADA (World Anti Doping Agency) übernommen werden. Das hätte freilich schon geschehen können, betonte Cap. Daher seine Kritik: "Schüssel und Schweitzer haben unsere anständigen Sportler ziemlich lang im Stich gelassen."

Der rasche Beschluss eines Anti-Dopinggesetzes wäre das richtige und notwendige Signal, "damit die Sportwelt und die Sportweltöffentlichkeit sieht, dass wir rasch reagieren", erklärte Cap. Der Salzburger Abgeordnete Johann Maier ergänzte dazu, dass dies auch im Hinblick auf die Olympia-Bewerbung von Salzburg für 2014 von großer Bedeutung sei - als Signal an das Internationale Olympische Komitee, dass Österreich für sauberen Sport eintrete.

Cap bezog seine Kritik aber auch auf den Präsidenten des Österreichischen Schiverbands, Peter Schröcksnadel. Die Reaktionen auf die Doping-Affäre im Lager der österreichischen Langläufer und Biathleten von ÖSV-Funktionären hätten den Eindruck entstehen lassen, dass Doping eine Art Kavaliersdelikt wäre. Besonders bemerkenswert in dem Zusammenhang sei gewesen, dass der ÖSV-Präsident nichts von der Anwesenheit des umstrittenen ÖSV-Trainers Walter Mayer in Turin habe wissen wollen, obwohl dies öffentlich bekannt war.

Auf die Frage, ob er den Rücktritt des ÖSV-Präsidenten fordere, sagte Cap: Das muss der ÖSV regeln, "wäre ich Mitglied im ÖSV, würde ich mich an dieser Diskussion aktiv beteiligen". Es sei nicht akzeptabel, dass das Reglement des IOC und die gesetzlichen Regelungen in Italien nicht ernst genommen wurden. Diese Kritik richtete Cap auch an Innenministerin Prokop, die "nicht verstanden hat, dass Turin in Italien liegt und dass die spezielle Regelungen haben". Den Sportpolitikern der Regierung wirft Cap vor, dass sie den "Schlendrian fortsetzen" und die ehrlichen Sportler im Regen stehen lassen. Daher brauche es das Signal, dass die Politik zum Schutz der anständigen Sportler etwas unternimmt.

Der SPÖ-Abgeordnete Johann Maier begrüßte nachdrücklich die Feststellung des Doppelolympiasiegers in der Nordischen Kombination, Felix Gottwald, der gestern in der "ZiB-2" für schärfere Doping-Kontrollen plädiert hatte. Maier, der auch Vorstandsmitglied der Österreichischen Anti-Doping-Kommission ist, sagte: "Seit Jahren beschäftige ich mich schon mit dem Thema, und es hat sich nichts verändert." Die Sportverbände müssten das endlich ernst nehmen, die Mentalität des "Augenzwinkerns" müsse beseitigt werden.

Und auch Maier sieht beim ÖSV ein "katastrophales Krisenmanagement". Er verlangte eine lückenlose Aufklärung und begrüßte die Einsetzung der Untersuchungskommissionen vom IOC und vom ÖOC. Maier machte überdies klar, dass die UNESCO-Convention schon im Oktober 2005 beschlossen wurde (allerdings wegen eines formalen Fehlers, der freilich nichts an den Inhalten ändere, noch einmal beschlossen werden müsse). Kanzler Schüssel hat auf eine parlamentarische Anfrage von Maier, wann das österreichische Anti-Dopinggesetz beschlossen werde, beschieden, sobald die UNESCO-Convention beschlossen sei.

Maier erhob weiters eine Reihe von Forderungen. Die SPÖ will eine Zuständigkeit des Bundes für die Doping-Bekämpfung, die Doping-Bekämpfung muss auf Basis der Europäischen Menschenrechtskonvention verrechtlicht werden (damit nicht mehr Sportverbände über Berufsverbote entscheiden). Ob es eine gerichtliche Verfolgen von Dopern geben solle, sei zu prüfen. Hier will Maier die Ergebnisse der Untersuchungskommissionen abwarten. Eine Verfolgung der Dealer solle es geben und gebe es auch schon, betonte Maier. Er forderte auch eine personelle Aufstockung des Österreichischen Anti-Doping-Komitees, das derzeit zweieinhalb Mitarbeiter hat. Die Devise müsse lauten: "Null-Toleranz beim Doping".

Der Abgeordnete machte überdies auf das Dopingproblem im Freizeit-und Amateursport aufmerksam. Dieser Aspekt werde normalerweise ausgeblendet, aber: "Hier liegen die großen Probleme." Weitgehend unkontrolliert werden über das Internet ein Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln "mit absoluter Dopingrelevanz" betrieben, erläuterte Maier. Er will in dem Zusammenhang Gespräche mit Justizministerin Gastinger aufnehmen. (Schluss) wf

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0010