Lawinengefahr erkennen und Unfälle vermeiden

Schitouren werden immer beliebter, fordern bei Lawinenabgängen aber immer wieder unnötige Todesopfer.

Wien (OTS) - Wenn in wenigen Wochen langsam wärmere Temperaturen einkehren und die Tage wieder länger werden, sind Schitouren ein besonders populäres Freizeitvergnügen. Diese Sportart gewinnt an Beliebtheit und immer mehr Bergfreunde nützen die unberührten Schneelandschaften, um scheinbar schwerelos durch den Tiefschnee zu gleiten. Die Statistiken sprechen von 48 Menschen, die im Winter 2004/2005 durch Lawinen ums Leben gekommen sind, wobei es sich hier um keine Großschadenslawinen handelte, sondern um Einzelereignisse. Damit wurde im letzen Winter fast der historische Höchststand von 50 Opfern, die im Jahr 1998/1999 verunglückten, erreicht.
Körperliche Kondition, gute Vorbereitung und Planung der Touren und das Mitführen der lebensnotwenigen Notfallsausrüstung sind daher wichtige Voraussetzungen, um Lawinenunfälle zu vermeiden oder im Unglücksfall zu überleben.

Notfallsausrüstung und "die lebensrettenden Drei"

Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), rät daher eindringlich:"Mindestens drei Dinge gehören zur Standardnotfallsausrüstung, wenn man abseits gesicherter Pisten im freien Gelände auf Touren geht: Ein funktionierendes, vor dem Aufstieg kontrolliertes Lawinen Verschütteten Suchgerät (LVS). Mit diesem kann man - je nach Einstellung - Signale senden oder empfangen, weiters eine zusammenlegbare Stabsonde und eine Lawinenschaufel im Rucksack."
Darüber hinaus sind auch noch ein Erste Hilfe-Paket und ein Handy unbedingt erforderlich. Diese Ausrüstung kann idealerweise durch einen Lawinenairbag (ein Rucksack mit integrierten Ballons, die beim Abgang einer Lawine den Träger an der Oberfläche halten) und der AvaLung (eine rüsselförmige Atemhilfe, die über dem Anorak getragen wird und durch die der Verschüttete Luft holen kann) ergänzt werden. Ein Biwaksack bietet einem Verletzten Kälte- und Nässeschutz, so dass die Zeit bis zum Eintreffen von Rettungskräften so gut wie möglich überstanden werden kann.

"Ohne richtige Notfallsausrüstung hat der Mensch im Ernstfall kaum eine Chance. Leider werden die lebensrettenden LVS-Geräte noch immer nicht von allen Tourengehern verwendet. Noch immer sind knapp die Hälfe der Tourengeher ohne 'Pipserl' unterwegs", stellt Thann bedauernd fest. Doch auch wenn das Gerät angeschafft wird, reicht es noch nicht aus, es nur zu besitzen. Die Anwendung muss trainiert und das Gerät vor jedem Tourenbeginn kontrolliert werden. Hier bieten Bergsteigerschulen, alpine Vereine, Ortsstellen der Bergrettung oder Schischulen Kurse an, um den richtigen Umgang mit den lebensrettenden Geräten zu lernen oder zu vertiefen.

Falsche Einschätzung ist lebensgefährlich! Die richtige Vorbereitung vor jeder Schitour

Wenn man sich nun für Schitouren außerhalb gesicherter Pisten entscheidet, muss man sich der Lawinengefahr bewusst sein:
"Detaillierte Planung, gute körperliche Kondition, das Studieren von Karten, Wetterberichten und lokalen Lawinenlageberichten gehören vor Beginn der Tour genauso dazu wie die technische Notfallausrüstung!", erklärt Thann. Lawinenwarnstufen sind unbedingt zu beachten. Die 'sicheren' Lawinenwarnstufen sind nur die beiden Extreme eins und fünf, denn hier wissen Schitourengeher, dass sie ohne Probleme aufbrechen können bzw. dass das Risiko definitiv zu hoch ist. Alle Lawinenwarnstufen dazwischen sind besonders problematisch, denn viele Wintersportfans sind dann versucht, auf Skitour zu gehen.
Karten, aktuelle Wetter- oder Schneeinformationen, Details zu Windstärken oder Niederschlagsmengen - über diese Parameter sollte sich der Tourengeher tagesaktuell informieren. Das Internetportal des Europäischen Lawinen Services (www.lawinen.org) bietet wertvolle Informationen vor Tourbeginn.

Die wichtigsten Irrtümer kurz zusammengefasst

Viele Tourengeher informieren sich nicht ausreichend. Annahmen, dass wenig Schnee geringe Lawinengefahr bedeutet oder dass bei tiefen Temperaturen oder im Wald die Lawinengefahr gebannt ist, sind falsch. Es stimmt auch nicht, dass drei Tage nach Schneefall die Lawinengefahr vorbei ist oder rauer Untergrund Lawinen verhindert. Zu guter Letzt sind Lawinenabgänge auch bei Schönwetter möglich!

"Schitouren sind einzigartige Erlebnisse inmitten der unberührten Natur. Aber gerade hier muss der Mensch mit oft unberechenbaren Naturgesetzen wie plötzlichem Wetterumschwung oder Lawinenabgängen rechnen. Daher sind die gute Vorbereitung der Tour und das Mitführen einer kompletten, funktionierenden Notfallsausrüstung unbedingt erforderlich, um diesen schönen Sport verantwortungsvoll auszuüben", schließt Thann.

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Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Dolores Omann
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