DER STANDARD-Kommentar: "Lieblingsbaby hat Fehler" von Eva Linsinger

Ausgabe vom 23.2.2006

Wien (OTS) - Mit dem Kindergeld ist eines der Lieblingsbabys der schwarz-blau-orangen Regierung vier Jahre alt geworden - und zeigt deutlich seine Schwächen. Denn das Kindergeld hat zwar seinen Zweck erfüllt, die Armutsgefährdung bei jungen Familien zu senken, das andere erklärte Ziel der Familienpolitik wurde aber nicht erreicht:
Die Geburtenrate ist nach wie vor niedrig, besonders gut ausgebildete und gut verdienende Frauen (und Männer) entscheiden sich oft gegen Kinder. Daran hat auch die Tatsache nichts ändern können, dass Österreich mittlerweile einen europäischen Spitzenplatz bei den direkten Zuwendungen an Familien einnimmt.

Außer der Regierung, die gern ihre Loblieder auf das "Erfolgsmodell" (Copyright ÖVP) Kindergeld singt, kann das eigentlich niemanden überraschen. Denn auch Lieblingsbabys brauchen nicht nur Geld, sondern auch Betreuung. Staaten wie Frankreich oder Schweden exerzieren es seit Jahren vor, internationale Experten predigen es einstimmig: Nur wenn Familie und Beruf miteinander vereinbar sind, entscheiden sich Frauen und Männer für ein Kind - oder für mehr als ein Kind. Trotz all dieser Predigten ist Österreich beim Ausbau der Kinderbetreuung derart säumig, dass es das EU-Ziel der Kindergartenplätze für 33 Prozent der unter Dreijährigen ohne eine Temposteigerung erst in 30 Jahren erreichen wird.

Wenn Sozialministerin Ursula Haubner nun darüber nachdenkt, wie das Kindergeld verbessert werden kann, und Anreize für Besserverdiener überlegt, ist das ein richtiger erster Schritt - vorausgesetzt, es bleibt nicht beim Nachdenken, sondern es gibt auch Ergebnisse. Fehlt nur noch der zweite Schritt - die Erkenntnis, dass auch die besten Zusatzmodelle zum Kindergeld Kinderbetreuung nicht ersetzen können.

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