Tumpel: Väter in Karenz - Benachteiligungen beseitigen!

Männer, die Familienpflichten ernst nehmen, werden benachteiligt - AK fordert finanzielle und rechtliche Verbesserungen für Eltern

Wien (OTS) - "Nicht nur die Mütter, auch die Väter haben´s schwer. Solange Väter im Beruf schwerwiegende Konsequenzen zu erwarten haben, wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Männer ein leeres Schlagwort bleiben", kommentiert AK Präsident Herbert Tumpel die heutigen Aussagen von Bundesministerin Haubner: "Aus unserer Beratungstätigkeit kennen wir die Schwierigkeiten, mit denen Männer konfrontiert sind, wenn sie aktive Väter sein wollen." Tumpel fordert von der Bundesregierung finanzielle und rechtliche Verbesserungen für Eltern: die flexible Inanspruchnahme des Kinderbetreuungsgeldes, die Reform der Zuverdienstgrenze, die Einführung des "Papamonats" und ein ausdrückliches Benachteiligungsverbot.

Pro Woche wendet sich ein Vater an die AK, weil sein Arbeitgeber mit Karriere- und Einkommenseinbußen droht, wenn er von den Karenzplänen des Mannes erfährt. Die logische Konsequenz: Viele Väter ziehen ihren Karenzantrag zurück, die Kinderbetreuung bleibt allein bei den Müttern. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Vater, der das Recht auf Elternteilzeit gerichtlich durchgesetzt hatte, wurde von seinem Arbeitgeber mit Rufbereitschaft dienstfrei gestellt - ihm droht nun überdies die Auflösung des Arbeitsverhältnisses nach Ablauf des Kündigungsschutzes.

Väter, die tatsächlich in Karenz gehen, haben beim Wiedereinstieg meist die selben Probleme wie Frauen: Verlust des angestammten Jobs, Versetzungen auf niedriger qualifzierte Stellen, weniger Aufstiegchancen - oder der Arbeitgeber trägt ihnen gleich die Auflösung des Arbeitsverhältnisses an. "Die Unternehmenskultur vieler Arbeitgeber stellt immer noch auf das Modell des männlichen Familienernährers ab. Väter, die in ihren Familien eine aktive Rolle spielen wollen, erfüllen die Erwartungen an ihre Geschlechtsrolle nicht und werden deshalb in Unternehmen häufig direkt oder mittelbar diskriminiert," kritisiert Tumpel. Zu den negativen Auswirkungen auf die berufliche Laufbahn kommen zusätzlich die ökonomische Probleme. Gehen Väter in Karenz, so ist der Einkommensverlust durch den Bezug von Kinderbetreuungsgeld in der Regel viel höher als bei Frauen. Er beträgt bei Männern im Schnitt 70 Prozent, bei Frauen 56 Prozent. Die Einbußen bei Karriere und Einkommen können mit dem Kinderbetreuungsgeld in der gegenwärtigen Ausformung für Männer noch weniger aufgewogen werden als für Frauen.

Die AK fordert folgende Maßnahmen, um die Benachteiligungen von Vätern zu verhindern:

Flexible Inanspruchnahme des Kinderbetreuungsgeldes - Eltern sollen die Wahlfreiheit bekommen, ob sie das Kinderbetreuungsgeld in voller Höhe, aber in einem kürzeren Zeitraum mit höheren monatlichen Beträgen beziehen wollen. Dies könnte die finanziellen Verluste ein wenig ausgleichen.

Reform der Zuverdienstgrenze: Eltern sollen wählen können, ob sie sich für die betragsmäßige Zuverdienstgrenze entscheiden oder ob sie ihre Arbeitszeit auf maximal 24 Stunden wöchentlich beschränken. Damit sollen Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung besser in Übereinstimmung gebracht werden.

Väter sollen von Beginn an die Möglichkeit haben, sich um ihr Baby zu kümmern und am Familienleben teilzuhaben. Die AK fordert daher die Einführung des "Papamonats": ein Monat Freistellung des Vaters bei der Geburt mit Bezahlung wie beim Wochengeld.

Das Verbot von Benachteiligungen von Frauen und Männern wegen der Inanspruchnahme von Karenz oder Elternteilzeit muss deutlicher geregelt werden. Eine ausdrückliche Regelung im Mutterschutzgesetz und im Väterkarenzgesetz sowie Mindestzahlungen für Betriebe bei Verletzung des Benachteiligungsverbots wären sinnvolle Ergänzungen des Gleichbehandlungsrechts.

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