ÖGJ-Lindner: UNO-Kritik an deutschem Schulsystem gilt auch für Österreich

Gemeinsame Schule für alle 6- bis 15-Jährigen sowie kleinere Klassen gefordert

Wien (ÖGJ/ÖGB) - Die Verteilung von zehnjährigen Kindern auf Hauptschulen und Gymnasien verstärkt herkunftsbedingte Nachteile. Was für Österreich bereits 2004 durch eine ÖGB/AK-Studie belegt wurde, hat nun auch der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz Villalobos, nach seiner Inspektion des deutschen Bildungssystems festgestellt. Grund genug für den Bundessekretär der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Mario Lindner, an eine langjährige ÖGJ-Forderung zu erinnern: "Um die Chancen von Kindern aus bildungsfernen Schichten zu erhöhen, brauchen wir eine gemeinsame Schule für alle 6- bis 15-Jährigen."++++

"UN-Inspektor Munoz hat zwar das deutsche Bildungssystem begutachtet, seine Schlussfolgerungen sind aber auch für Österreich relevant", so Lindner. Laut Munoz seien in deutschen Hauptschulen MigrantInnen und Arme überrepräsentiert. Er habe das Gefühl, dass sich das deutsche Bildungssystem nicht darauf konzentriere, alle einzubeziehen, sondern dass es eher Trennungen schaffe. "Auch in Österreich fallen wichtige Bildungsentscheidungen viel zu früh", sagt Lindner: "Die Vorteile, die eine gemeinsame Schule bis zur neunten Schulstufe bringen würde, sind nicht erst seit gestern bekannt. Laufend gibt es neue Argumente für eine gemeinsame Schule, doch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und lehnt diesen wichtigen Schritt in Richtung Chancengerechtigkeit weiterhin ab."

"Das österreichische Schulsystem bietet keineswegs Chancengleichheit, sondern selektiert nach sozialer Herkunft und Einkommenssituation des Elternhaushalts", so der ÖGJ-Bundessekretär:
"Gerade jetzt, vor dem nächsten Durchgang der PISA-Studie, muss man sich ernsthaft Gedanken darüber machen wie man diese Problematik in den Griff bekommt." Frühförderung sowie die Verkleinerung der Klassen seien unumgänglich. "Das Ziel muss lauten: In unserem Bildungssystem darf niemand aus sozialen Gründen von Bildung fern gehalten oder durch andere Barrieren an Bildungsabschlüssen gehindert werden", sagt Lindner.(fk)

ÖGB, 22. Februar 2006 Nr. 109

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