Gewaltvideos auf Handys - Wr. Jugendanwaltschaft warnt vor Verniedlichung

Gewalt wird zum Freizeitspass unter Jugendlichen

Wien (OTS) - Obwohl im Grunde nichts neues, aber eine zusätzliche Facette mehr im Spektrum der Gewaltmedienlandschaft stellt der neue Trend von Jugendlichen dar, Gewaltvideos am Handy aufzunehmen und weiter zu versenden.

Bei diesem so genannten "Happy Slapping" werden Passanten oder Bekannte Opfer von Gewaltattacken, die von jemanden auf einem Handyvideo aufgezeichnet werden und dann mittels MMS oder Bluetooth gratis an Freunde weiterversendet.

Leider gibt es aber auch über Internet kommerzielle Anbieter/Ausbeuter von Jugendlichen, die gegen Bezahlung über Handyrechnung es ermöglichen, Gewaltvideos herunterzuladen. Und dabei sind Videos über Köpfungen, Erschießungen, schwere Autounfälle etc. dabei. Eltern wissen oft nichts darüber was Jugendliche auf ihrem Handy gespeichert haben oder kümmern sich nicht darum. In Gesprächen mit Jugendlichen hat der Wr. Jugendanwalt Schmid sich von den Gepflogenheiten der Jugendlichen informiert.

Und wer annimmt, dass in Österreich diese Form der Kommunikation unter Jugendlichen noch nicht verbreitet ist, irrt gewaltig, im wahrsten Sinne des Wortes.

Seit vielen Jahren warnen Jugendschützer vor übertriebenen Konsum von Gewalt in den Medien. Nachdem nun die neue Technologie es ermöglicht auch selbst einfache Videos aufzunehmen, war es nur eine Frage der Zeit bis Jugendliche dies tun. Mangels kreativem Freizeitverhalten bringen derartige Aufnahmen einen "Kick", der - für kurze Zeit - die Tristesse des Alltags vergessen lassen.

Dass dabei unschuldige Menschen Opfer werden, ist den Jugendlichen egal, jahrelange Gewöhnung an Gewalt macht sie frei von Wertekonflikten und schlechtem Gewissen.

Doch wäre es falsch "die heutige Jugend" als von Grund auf gewalttätig zu bezeichnen,.
Erziehungsberechtigte, Mediengestalter und Pädagogen haben die Verantwortung Jugendlichen einerseits interessante Freizeitalternativen zu vermitteln, andererseits durch Gespräche und kontrollierten Umgang und einen sensiblen Zugang zu Gewalt in den Medien zu ermöglichen. Reine Verbote sind - wie schon immer - nur kontraproduktiv.

Besonders jene Geschäftemacher, die an der grenzenlosen Brutalität der Videos an Jugendlichen Geld verdienen, müsste das Handwerk gelegt werden.
"Aber auch TV-Anstalten und private TV-Anbieter müssten endlich zur Kenntnis nehmen, dass Jugendliche nicht schon um 19 Uhr im Bett sind und schlicht und einfach ihre Programme entbrutalisieren", fordert der Wr. Jugendanwalt Schmid.

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Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
Herr Dr. Anton Schmid
Tel: (++43-1) 1708

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