"lehrlings event 06" - Offener Brief der ÖGJ an Bundeskanzler Schüssel

Bitte um Weiterleitung der Lehrlingsadressen, damit wichtige Informationen der ÖGJ die Lehrlinge erreichen

Wien (ÖGJ/ÖGB) - Nachdem Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in einem Brief an Lehrlinge in ganz Österreich seinen Lehrlingsevent in einer Diskothek beworben hat, bittet ihn die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) um die Weitergabe des Adressenmaterials. Die ÖGJ würde gerne wichtige arbeitsrechtliche Informationen an die Lehrlinge versenden, verfügt aber nicht über deren Adressen.++++

Der offene Brief, der heute, Dienstag, per E-Mail an den Bundeskanzler gesendet wurde, im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) ist die mitgliederstärkste politische Jugendorganisation Österreichs. Entsprechend viele Mitglieder haben uns über verstärktes Postaufkommen mit Ihrem Absender informiert. Einer dieser Briefe, unter dem Motto "unternehmen arbeitsplatz - lehrlings event 06", wurde von Ihnen sowie den Ministern Hubert Gorbach, Martin Bartenstein und Karl-Heinz Grasser an die Arbeits-Adressen von Lehrlingen gesendet.

Die Gewerkschaftsjugend hat soeben ihr Nachschlagewerk "Was du unbedingt wissen solltest" überarbeitet und neu aufgelegt, in der Lehrlinge über ihre Rechte und Pflichten informiert werden. Wir sind der Meinung, dass diese Informationen, zum Beispiel über die Wahl zum Jugendvertrauensrat, für die jugendlichen ArbeitnehmerInnen sehr wichtig sind und würden sie gerne über das Erscheinen des Nachschlagewerks informieren.

So wie Sie haben daher auch wir daran gedacht, allen Lehrlingen Österreichs einen Brief zu schreiben, wir verfügen aber leider nicht über deren Adressen. Deshalb bitten wir Sie, uns ihr Adressenmaterial zur Verfügung zu stellen. Wir sind sicher, dass sie ebenso wie wir der Meinung sind, dass diese Informationen für die Lehrlinge von höchster Wichtigkeit sind und rechnen daher fix mit Ihrer Unterstützung.

Was den in Ihrem Brief angekündigten "lehrlings event 06" betrifft, fragen wir uns, ob es nicht sinnvoller wäre, die dafür aufgewendeten Budgetmittel in zusätzliche Ausbildungsmaßnahmen für einige jener 5.243 Jugendlichen, die Ende Jänner auf Lehrstellensuche waren, zu investieren.

Auch der Ort des Tanzvergnügens, die Disco "Nachtschicht", erscheint uns nicht die optimale Wahl, denn laut "Salzburger Nachrichten" vom 10. Februar ist gegen die Betreiberfirma ein Finanzstrafverfahren im Laufen. Steuern in Millionenhöhe sollen "gespart" worden sein. Ist es wirklich notwendig, dass Bundeskanzler und Finanzminister der Republik ein Unternehmen bewerben, dass solch fraglicher Geschäftspraktiken verdächtigt wird?

In einem weiteren Schreiben bewerben Sie, auf dem Briefpapier des Bundeskanzlers, die Internet-Plattform der ÖVP. Einige unserer Mitglieder haben sich gefragt, warum sie einen Brief vom Bundeskanzler erhalten, der dann Wahlwerbung für eine politische Partei enthält, was einzig durch Ihre E-Mail-Adresse erkennbar ist. Wir glauben nicht, dass dieses Vorgehen geeignet ist, der häufig beklagten Politikerverdrossenheit unter den Jugendlichen entgegenzuwirken.

Wir hoffen auf schnelle Beantwortung unserer Fragen und verbleiben mit freundlichen Grüßen

Jürgen Eder, ÖGJ-Bundesvorsitzender

Mario Lindner, ÖGJ-Bundessekretär

SERVICE: Der offene Brief steht unter www.oegb.at als PDF zum Download zur Verfügung.(fk)

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