KOMMENTAR VON MANFRED POSCH: Jede Menge Trotteleien

Klagenfurt (OTS) - Ich war ein Trottel! Mit diesen Worten kommentierte der - bis in die Nacht auf gestern - sportliche Leiter für Langlauf und Biathlon im ÖSV die von ihm zu verantworten gewesene Blutbeutel-Affäre. Das ist vier Jahre her, und Schauplatz des unappetitlichen Skandals waren die Olympischen Winterspiele von Salt Lake City. Gelernt hat Walter Mayer aus seinem dopingschwangeren Verhalten nichts. Turin 2006: Der Loipen-Guru steht neuerlich im Mittelpunkt sportlicher Ungeheuerlichkeiten, eines im "Trottelei"-Dunstkreis festgefahrenen Skandals. Wer immer einen derart tief in Perversitäten des Sports verstrickten Mann auch nur in der Nähe von Aktiven geduldet hat, trägt gehörig Mitschuld.

Mayer zeigte dieser Tage als "Privatperson" in Turin Flagge, soll im Haus der Biathleten übernachtet haben. Rund 100 Spritzen wurden gefunden, "Blutapparate", Pillen. Frage: Für wie trottelhaft halten bestimmte österreichische Offizielle italienische Dopingfahnder, die Öffentlichkeit?

Dass man mit Mayer inzwischen abgefahren ist, ändert nichts am Verdachtskaliber. Der Hinausschmiss des Salzburgers erfolgte vorerst übrigens nicht wegen dessen Turiner Präsenz, sondern nach Entgleisungen in Feistritz/Drau, Alkoholisierung, Flucht vor Polizei, Mayer zur Last gelegten Straftaten (Widerstand gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung).

Bleibt zu fragen, wie sich diverse im Funktionärs- bzw. ÖOC-Olymp Thro-nende Schröcksnadel, Wallner, Jungwirth? aus der Affäre zu ziehen gedenken. Kleben sie auf ihren hoch dekorierten Sesseln, oder nehmen sie Verantwortung ernst und ziemlich rasch den Hut?

Stichwort "Schaden". Es geht nicht nur um ein paar missbrauchte Sportler, um einen schier unverbesserlichen Besessenen namens Walter Mayer. Längst geht es um Österreichs Reputation schlechthin. Die Qualitätsmarke "Austria" erfährt im Ausland trotz der Vielzahl fantastischer Olympiasiege Herabwürdigung. Salzburgs Olympiachancen sind sind vermutlich arg beschädigt. Da sind offensichtlich Profis am Werk, smarte Leute, die eiskalt versuchen, sich beispielsweise Schröcknadels Blauäugigkeit (Zitat nach Austria Presse Agentur: Man kann Mayer die Anwesenheit bei Olympia als Privatperson nicht verwehren, und wir haben das auch nicht so tragisch eingeschätzt) zunutze zu machen.

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