WirtschaftsBlatt Kommentar vom 21.2.2006: Olympia: Der Verlierer heisst Salzburg - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Der Kanzler himself war freundlicherweise eigens angereist, um als zuständiger Sportminister professionelles Lobbying zu betreiben. Wolfgang Schüssel wollte am Wochenende die Salzburger bei ihrer Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014 unterstützen. Doch justament da passierte es: Die Doping-Razzia im Mannschaftsquartier der österreichischen Langläufer und Biathleten bekleckert das Ansehen unserer bis dahin so erfolgreichen Wintersportler. Die deutsche "Welt" schrieb: "Schneller stürzte selten eine Nation bei Olympischen Spielen aus Siegeshöhen ins Jammertal."
Der Skandal rund um einen wegen einschlägiger Delikte gesperrten Trainer, der in alkoholisiertem Zustand in eine Polizeisperre rast, könnte letztlich den Ausschlag geben, dass Salzburg zum dritten Mal leer ausgeht - schliesslich hat man sich schon um die Olympischen Spiele 2006 und 2010 vergeblich bemüht. Walter Mayer, der eindeutige Auslöser allen Übels, bringt also ganz Österreich in Misskredit und fügt dem Land vorerst noch kaum bezifferbaren Schaden zu - allerdings im kongenialen Teamwork mit seinen Schützlingen, die in Panik ein Plastiksackerl voller Spritzen aus dem Hotelfenster werfen, überforderten Trainern, die sich in Ahnungslosigkeit ergehen, und unprofessionellen Funktionären, deren Naivität nicht mehr zu überbieten ist.
Auch wenn eine Michaela Dorfmeister, ein Benni Raich, ein Hermann Maier oder ein Thomas Morgenstern mit ihren grandiosen Leistungen Österreich zu einer der erfolgreichsten Skinationen der Welt machen -wenn zugleich derartige Blödheiten passieren, wird uns die Welt einfach nicht ernst nehmen können. Und das könnte sich im Juli 2007 rächen, wenn die Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees in Guatemala endgültig entscheidet, ob Salzburg das Rennen macht, die kaukasische Stadt Sotschi oder einer der übrigen Mitbewerber in Südkorea, Georgien, Bulgarien oder Spanien. Übrigens hat die russische Regierung bereits umgerechnet fast zehn Milliarden Euro (!) für den Ausbau des Sommerressorts am Schwarzen Meer bewilligt.
Salzburg, das mit nur 7,1 Millionen Euro auskommen will, wird bloss dann seine Chance wahren, wenn aus dem Skandal unverzüglich klare Konsequenzen gezogen werden. Das heisst: Nicht nur Walter Mayer muss gehen, sondern auch jeder andere Beteiligte aus dem betroffenen Verband. Nur so ist Österreichs exzellentes Image als Skination Nummer eins wieder zu reparieren.

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