Darabos richtet Offenen Brief an ORF-Generaldirektorin Monika Lindner

Wien (SK) - In einem Offenen Brief wandte sich SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos am Montag an ORF-Generaldirektorin Monika Lindner. Der Brief im Wortlaut: ****

Sehr geehrte Frau Generaldirektorin!

Ich darf Ihnen für einen unvergesslichen (gestrigen) Fernsehabend danken. Ich muss eingangs aber zugeben, dass ich die ZIB 1 "geschwänzt" habe. Nach der tollen Pressestunde mit Ihrem Du-Freund Erwin Pröll, geleitet vom ehemaligen ÖVP-Mitarbeiter Gerhard Jelinek, der diese mit besonders kritischen Fragen garnierte ("Herr Landeshauptmann, Sie haben sehr erfolgreich für Niederösterreich gearbeitet..."), hatte ich keinen wirklichen Bedarf mehr nach Ihrem "Mück-TV".

Ich entschied mich daher, erst um 20.15 Uhr für das Olympia-Studio des ORF (also in der prime-time) mein TV-Gerät aufzudrehen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ein "patriotischer" Bundeskanzler (sowohl in seiner Wortwahl, als auch seiner Kleidung) blickte mich aus dem Fernsehgerät ernst an. Logisch, ernst war ja dem Anlass - Stichwort Dopingaffäre - durchaus entsprechend. Er sagte zwar als "Sportminister" (ist er das wirklich, ich habe kaum etwas in Erinnerung?) nichts Neues, aber immerhin mahnte er Österreich, sich doch über die Erfolge der Sportler zu freuen.

Jetzt ein kleines "outing". Ich tue das wirklich, ganz ohne Kanzleraufforderung. Aber es kann ja nicht schaden, den "Schweige-und Kältekanzler", "patriotisch" und "warm" in die österreichischen Wohnzimmer zu schicken. Nein, da bin ich wirklich dankbar, auch wenn die Protagonisten der Olympischen Spiele, die Athleten, deshalb etwas zurückstecken müssen. Aber da der ORF ja beinahe Non-Stop sendet, geht sich zumindest eine Aufzeichnung mit Maier, Raich, Görgl und Schönfelder aus. Gut, wenn man Prioritäten setzt.

In Fortsetzung dieses denkwürdigen Kanzlerauftrittes würde ich vorschlagen: Es gibt noch sieben Olympia-Studios. Heute Abend könnte beispielsweise Frau Minister Gehrer auftreten. Sie ist ja immerhin Unterrichtsministerin, und damit für den Turnunterricht zuständig. Und der ist ja "Kaderschmiede" zukünftiger Medaillen. Mit ein bisschen kreativer Energie würde sich auch der Auftritt von Innenministerin Prokop rechtfertigen lassen. Schließlich war sie ja selbst Olympia-Teilnehmerin - zwar im Sommer, aber sie könnte ja den Unterschied erklären, oder einfach mit ihrem Verwandten Thomas Sykora (immerhin ORF-Experte) zwanglos plaudern. Oder Frau Rauch-Kallat:
Gesundheit hat ja angeblich etwas mit Sport zu tun und umgekehrt (wenn auch nicht immer), oder der Tierschutz, schließlich sind unsere "Adler" ja ganz besonders erfolgreich. Mit ein bisschen Phantasie könnte sich die Liste locker fortsetzen: Grasser fährt Promi-Rennen in Kitzbühel, ist also "Experte", Gorbach ist jetzt als Minister und später in der Privatwirtschaft mit dem Seilbahnwesen vertraut, Gastinger könnte erörtern, ob wir, was ja völlig klar ist, nach der Vergabe der Olympischen Spiele an Salzburg, auch Gesetze beschließen lassen, die die garstigen Italiener bei Doping-Razzien in Österreich erschauern lassen werden.

Ich vertraue auf Ihre Kreativität und die Ihres Teams. Sollte es sich mit sieben Tagen nicht ausgehen, so kann man ja auch mehrere Regierungsmitglieder gemeinsam im Olympia-Studio auftreten lassen. Nur Mut...

Ich verbleibe mit sportlichen Grüßen,
Norbert Darabos
ORF-Gebührenzahler

PS: Sie sollten den jungen ORF-Sport-Redakteur Oliver Polzer "durchleuchten". Wie kann der so kritische Fragen an den österreichischen "Ski-Papst" - sicher auch ein Freund von Ihnen -Präsident Schröcksnadel stellen?

PPS: Dass "Narrisch guat" in ORF 2 den zigfachen Marktanteil hatte, wird ja nicht mit der Präsenz des Bundeskanzlers zu tun haben, oder...?

(Schluss) se

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0008