"Kleine Zeitung" Kommentar: "Am Doping-Skandal von Turin ist Österreich selbst schuld" (von August Kuhn)

Ausgabe vom 20.2.2006

Graz (OTS) - Die Jagd nach Dopingsündern hat bei den XX. Olympischen Winterspielen in Turin eine neue Dimension erreicht. Das Internationale Olympische Comitee (IOC) und die italienischen Behörden haben in perfekt zu nennender Abstimmung für speaktakuläre Razzien gesorgt, die in zwei Privatquartieren österreichischer Olympia-Athleten stattgefunden haben.

Österreich im Visier der italienischen Dopingjäger, die sich Methoden bedienen, die man lange nur von der Tour de France kannte? Kein Zufall, sondern eine hausgemachte Geschichte, in die sowohl das Österreichische Olympische Comitee (ÖOC) als auch der Schi-Verband (ÖSV) involviert sind. Das ÖOC tut, als hätte man mit Athleten und Betreuern, die außerhalb des olympischen Dorfes wohnen, nichts zu tun. Der ÖSV wiederum hat es verabsäumt, den vom IOC bis 2010 gesperrten Langlauf- und Biathlon-Trainer Walter Mayer, für die Zeit der Spiele hier in Turin, Sestriere und Umgebung aus dem Verkehr zu ziehen. Doch statt Mayer, dem Österreich bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City die so genannte "Blutbeutelaffäre" und damit einen Dopingskandal verdankt, in die Karibik auf Urlaub zu schicken, hat man ihm Eintrittskarten für einige Bewerbe gekauft.

Auf diese billige Art wollte man einen vom IOC gesperrten Betreuer zu einer harmlosen Person hinunterstilisieren, der man den Besuch der Winterspiele nicht verbieten kann.

Herausgekommen ist, dass das IOC, das Turiner Olympia-Comitee, die Welt-Anti-Doping-Agentur und die italienischen Behörden genau auf diese Chance gewartet haben, um ihren Kampf gegen Doping auf spektakuläre Art und im Rampenlicht der Winterspiele in Szene setzen zu können.

Natürlich hätte auch Mayer selbst wissen müssen, dass er mit seinem "Schmäh", nur ein harmloser Olympia-Besucher zu sein, nicht durchkommen kann. Doch ganz offensichtlich hat Mayer den Boden unter den Füßen verloren. Auch noch gestärkt durch die Tatsache, dass er auf Gerichtsbeschluss mit Ausnahme bei Olympischen Spielen wieder als Trainer arbeiten darf, hat er die Lage völlig falsch eingeschätzt.

Wohl gewarnt, dass die italienische Polizei hinter ihm her ist, hat sich Mayer gerade noch rechtzeitig aus Italien abgesetzt. So konnte er sich der drohenden Festnahme und tagelangen Einvernahmen entziehen.

Nein, Walter Mayer ist kein Verbrecher. Er ist lediglich ein Mann, der im Wahn lebt, dass er sich über alle Regeln hinweg setzen kann. Und darin auch noch Unterstützung fand.****

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